Gemeine Esche

Gemeine Esche © Ernst Frühmann

Von den zwei Eschenarten ist die Gemeine Esche in Europa die dominierende Art. In den südlichsten Gebieten Europas wird sie von der Schmalblättrigen Esche abgelöst. Betrachten wir die Bedeutung der Eschen in der Medizin, können wir feststellen, dass die gemeine Esche seit weit mehr als 2000 Jahren für Heilzwecke genützt wird.

Wesentlich breitere Wertschätzung genießt dieser mächtige Baum dank seiner besonderen Holzqualität. Die Esche gehört zu den Edellaubhölzern und zählt nach der Buche und Eiche zu den wichtigsten Laubnutzhölzern Mitteleuropas. Ihr schweres und hartes Holz zeichnet sich durch besondere Festigkeit und Elastizität aus; ihre Zug- und Biegefestigkeit übertrifft die der Eiche.

Die mächtigsten, etwa 200 Jahre alten Eschen stehen in einem polnischen Nationalpark mit Höhen von über 40 Metern und einem Stammumfang von bis zu über 5 Metern. Von Polen aus verbreitete sich seit etwa 1990 eine folgenschwere Pilzerkrankung, die große Eschenbestände in weiten Teilen Europas vernichtete.

Gemeine Esche © Ernst Frühmann

Gemeine Esche © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Das HMPC (Herbal Medicinal Product Committee), eine Kommission auf europäischer Ebene, stuft die Blätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Danach können Zubereitungen aus den Eschenblättern bei leichten Gliederschmerzen oder zur Erhöhung der Harnmenge und damit unterstützend zur Durchspülung der Harnwege bei Harnwegsbeschwerden angewendet werden.

Die Teezubereitung aus den Eschenblättern (Tagesdosis 10–30 Gramm) kann als Aufguss (1,5–5 Gramm fein geschnittene Eschenblätter mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen) erfolgen oder auf kaltem Weg als Mazerat zubereitet werden. Die Wirksamkeit kann durch eine Kombination mit anderen aquaretisch wirksamen Drogen wie Orthosiphonblätter, Goldrutenkraut oder Brennnesselblätter u.a. erweitert werden. Eschenrinde wird nicht für den Tee genommen; aus ihr wird eine Tinktur hergestellt.

Eine Kombination aus Zitterpappel, Goldrutenkraut und der Eschenrinde wird als Fertigarzneimittel in Apotheken angeboten. Durch die schmerzlindernden, entzündungshemmenden und abschwellenden Eigenschaften ist eine unterstützende Behandlung bei rheumatischen Erkrankungen und chronischen Bewegungsschmerzen angezeigt. 

Hinweise zu Eschenextrakten, wie das Anwendungsverbot bei Herzschwäche und Nierenerkrankungen, Vorsicht in der Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Anwendung unter 18 Jahren und weitere Empfehlungen sind zu beachten.

 

Gemeine Esche © Ernst Frühmann

Gemeine Esche © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Gemeine Esche ist ein geschätztes Nutzholz und eine Heilpflanze mit langer Tradition, die in weiten Teilen Europas vorkommt, deren Bestände aber derzeit stark gefährdet sind. Die hohe Qualität des Holzes machte den Baum beliebt in der Möbelherstellung und Fertigung von Werkzeugen.

Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel sind Extrakte aus den Blättern und der Rinde anerkannt in der unterstützenden Behandlung leichter Gliederschmerzen und zur Durchspülung der Harnwege bei Harnwegsbeschwerden dank der schmerzlindernden, abschwellenden und entzündungshemmenden Eigenschaften der Extrakte der Esche.

Meerzwiebel

Meerzwiebel © Ernst Frühmann

Jeder Reisende, der etwas mehr als seine Badebucht am Mittelmeer kennenlernen will, findet im Spätsommer, angrenzend an die Sand- oder Schotterstrände, auf den steinigen, ausgetrockneten und braunen Böden die blattlosen Zwiebeln der Meerzwiebel, aus denen sich bis 1,5m hohe blütentragende Triebe entwickeln. Die zahlreichen zarten, weißen Blüten bilden im strahlenden Sonnenlicht einen klaren Kontrast zum Blau des Himmels und des Mittelmeeres und zum Braun der verdorrten Vegetation. Erst nach dem Regen der Wintermonate treiben im zeitigen Frühjahr die grünen Blätter aus den, aus der Erde ragenden, Zwiebeln.

Die Meerzwiebel ist eine Sammelart, wie es das agg. (Aggregat) in der lateinischen Bezeichnung ausdrückt. Von den Varietäten wird für medizinische Zwecke die weiße, in der Homöopathie die rote Varietät bevorzugt.

Meerzwiebel © Ernst Frühmann

Meerzwiebel © Ernst Frühmann

Anwendung in der Medizin

Extrakte, Tinkturen und auch die isolierten herzwirksamen Glykoside der Meerzwiebel waren im 20. Jh. noch häufig verwendete Arzneimittel bei leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz (Herzschwächezustände NYHA I–II) auch, wenn eine verminderte Nierenleistung vorlag. Eine verstärkte Diurese wird durch die wassertreibende Wirkung der Wirkstoffe zusätzlich erreicht.

Aufgrund der geringen therapeutischen Breite, der Giftwirkung, der Wechselwirkungen und Nebenwirkungen ist zu beachten, dass eine ärztliche Verordnung und Therapiekontrolle unabdingbar sind!

Auch in der Volksmedizin waren im angelsächsischen Raum, im Mittelmeergebiet und in Indien Zubereitungen aus der Meerzwiebel viel verwendete Arzneimittel bei Herzkrankheiten; aber auch die entwässernde Wirkung, die Wirkung auf die Atemorgane zur Behandlung der Bronchitis wurden neben der äußerlichen Anwendung bei Brandwunden und anderen Hautproblemen genützt. In Griechenland kann man auch heute noch Seifen mit Meerzwiebelextrakt kaufen, die dieser Pflanze mit Olivenöl verbesserten Haarwuchs bescheinigen.

In der Homöopathie wird aus der roten Varietät der Zwiebel, die nach der Blüte im Herbst ausgegraben wird, die Urtinktur hergestellt. Scilla maritima wird bei Reizungen der Schleimhäute, vor allem bei chronischer Bronchitis mit vermehrter Schleimansammlung und bei Husten mit unfreiwilligem Harnabgang eingesetzt. Oft wird der Husten von heftigem Schnupfen begleitet.

In der Behandlung der Herzerkrankungen wird Scilla als D3 oder D4 oft mit Crataegus oder Convallaria kombiniert; Scilla maritima kommt bei älteren Menschen zur Anwendung aber nur nach ärztlicher Verordnung.

 

Giftwirkung und unerwünschte Wirkungen

Die Gefahr der Vergiftung ist in Mitteleuropa gering, da die Pflanze in der Natur nicht vorkommt und eine Behandlung mit Scillaextrakt ausschließlich dem Arzt vorbehalten sein soll.

Bei der Einnahme einer überhöhten Dosis kommt es zu Übelkeit, Brennen im Mund, Erbrechen, schmerzhaften Koliken und Durchfall. Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen und hartnäckiger Husten sind weitere Zeichen für eine Vergiftung.

Als Gegenmaßnahmen sind Aktivkohle und ein stark wirksames Abführmittel zu geben, Erbrechen auszulösen und ärztliche Hilfe zu holen.

Meerzwiebel © Ernst Frühmann

Meerzwiebel © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Meerzwiebel ist eine auffallend schön blühende Pflanze des Mittelmeerraumes. Sie wurde in früheren Zeiten häufig als Herzmittel verwendet, aber wegen ihrer Giftigkeit und geringen therapeutischen Breite in unserer Zeit durch gezielter einsetzbare Präparate verdrängt; einzig in der Homöopathie hat sie noch eingeschränkte Bedeutung.

Ihre Giftigkeit ist nicht zu unterschätzen, in Mitteleuropa ist die Gefahr aber gering, da die Pflanze in der Natur nicht vorkommt; bei einem Urlaub am Mittelmeer sollte man sich der Giftigkeit bewusst sein.

Alpen-Edelweiß

Alpen-Edelweiß © Ernst Frühmann

Als Heilpflanze ist das Edelweiß seit Jahrhunderten bei verschiedenen Erkrankungen in der Volksmedizin in Verwendung. Nun gibt es durch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse auch berechtigte Hoffnungen, dass das Edelweiß auch in der Schulmedizin bald Anerkennung finden könnte. Dank dieser neuen Forschungsergebnisse und anderer Entscheidungskriterien hat die HMPPA (Herbal Medicinal Products Platform Austria) das Edelweiß zur Arzneipflanze 2019 erkoren. Die HMPPA ist ein wissenschaftliches Netzwerk österreichischer Universitäten und Fachhochschulen mit dem gemeinsamen Ziel, die Erforschung und Entwicklung von Naturstoffen und pflanzlichen Arzneistoffen voran zu treiben.

Das Edelweiß wurde bereits 1886 in Österreich (1878 in Obwalden, Schweiz) unter Schutz gestellt; heute steht es in allen deutschsprachigen Gebieten der Alpen unter Naturschutz.

Das Edelweiß hat aber auch für verschiedene Institutionen hohe Symbolkraft erlangt. So ziert das Edelweiß – Sinnbild für Mut und Stärke – als Abzeichen die Hüte vieler Wanderer und die Alpenvereine haben diese „königliche“ Pflanze der Alpen in ihrem Logo. Münzen schmückt diese Blüte und Brauereien, Touristiker, Apotheken, Berghütten, Gasthäuser und Hotels nützen das Edelweiß in ihrem Namen.

Alpen-Edelweiß © Ernst Frühmann

Alpen-Edelweiß © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Extrakte aus dem Edelweiß kommen derzeit – wie im Kapitel der Geschichte beschrieben – in der Volksheilkunde zur Anwendung. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Kosmetik, in der die Wirkstoffe wegen der antioxidativen und der anti-aging Wirkung in hochwertigen Hautpflegeprodukten und Sonnenschutzcremen Verwendung finden.

Zusätzlich wird das Edelweiß auch in der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin als Heilmittel eingesetzt.

Wird es bald wissenschaftlich abgesicherte Arzneimittel mit Extrakten oder Leitsubstanzen aus dem Edelweiß geben?

Betrachten wir die Wirkungen der Inhaltsstoffe mit sehr guten Ergebnissen im Labor und an Tieren, dann darf man gespannt auf das Ergebnis klinischer Studien warten. Wissenschaftler erwarten, dass Extrakte in Zukunft bei Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes zur Verringerung der Magen-Darm Peristaltik möglich sind; weitere Studien zur Behandlung der Arteriosklerose, Gefäßschutz und Cholesterinsenkung stehen zur Diskussion. Hohe Erwartungen werden in die Entwicklung neuer Herz-Kreislaufmittel gesetzt mit den Wirkstoffen Leoligin und 5-Methoxyleoligin. Es ist also zu hoffen, dass das Edelweiß als Arzneimittel ebenso begehrt wird, wie als Königin der Alpenpflanzen.

Alpen-Edelweiß © Ernst Frühmann

Alpen-Edelweiß © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Das Edelweiß ist eine Heilpflanze, die von den Pyrenäen über die Alpen und Karpaten bis zum Dinarischen Gebirge in einer einzigen Art wächst.

In der traditionellen Volksmedizin wurden Extrakte dieser begehrten Pflanze bei Ruhr, Durchfall, Bauchschmerzen, Herzkrankheiten und Erkrankungen des Respirationstraktes eingesetzt.

Dank neuer Erkenntnisse über die Wirkungen der Inhaltsstoffe sehen Wissenschaftler gute Aussichten, dass in Zukunft Extrakte aus dem Edelweiß bei Herz- und Kreislauferkrankungen günstige Effekte zeigen werden.

Echte Feige

Echte Feige © Ernst Frühmann

Darmträgheit oder leichte Formen von Verstopfung (Obstipation) sind meist Ausdruck von fehlgeleiteten Lebensformen und können durch unterschiedlichste Ursachen ausgelöst werden. Dies reicht von Bewegungsmangel über zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, falsche Ernährungsgewohnheiten bis zu Arzneimitteln, psychischen Belastungen und vielem mehr. Ziel muss es sein die Ursachen zu bereinigen oder mit schonenden Maßnahmen einen Weg zu normalen Verdauungsverhältnissen zu finden und eventuell mit gezielter Unterstützung mild wirksamer Methoden – einschließlich Heilpflanzen – zur Normalität zurückzufinden. Eine dieser Optionen sind die Früchte der Echten Feige, die einerseits zu den Nahrungsmitteln gezählt werden, aber auch durch ihre Inhaltsstoffe sanft anregend auf den Verdauungstrakt wirken können.

In der Familie der Maulbeergewächse sind unter dem lateinischen Gattungsnamen Ficus etwa tausend Arten gelistet, die vorwiegend im tropisch bis subtropischen Bereich wachsen und oft riesige Bäume bilden. Dazu gehören die Würgefeigen, die ihren Geburtshelfer letztendlich ersticken, oder eine Vielzahl von Zimmerpflanzen, wie der Gummibaum, oder Ficus als attraktive Parkbäume, die ein Blätterdach von bis zu über 2000 m2 entwickeln und damit riesige Schattenspender sind; z.B. zu bewundern im Peradeniya Garden auf Sri Lanka.

Bei der großen Zahl der Ficus-Arten hat sich die Echte Feige als die wertvollste Art für die Nutzung als Nahrungsmittel oder auch Heilmittel herauskristallisiert. Sie wird seit einigen tausend Jahren in verschiedenen Varietäten kultiviert. Eine botanische Besonderheit ist die Bestäubung und Entwicklung der Früchte, die ganz vom Lebenszyklus der Feigenwespen abhängig sind.

Echte Feige © Ernst Frühmann

Echte Feige © Ernst Frühmann

Volksmedizinische Anwendung

Von der Wissenschaft anerkannte Anwendungen oder Studienergebnisse gibt es nicht; doch die praktischen Erfahrungen bei der Behandlung von Darmträgheit oder leichten Verstopfungen bei Erwachsenen und Kindern zeigen, dass die regelmäßige Gabe von reinem Feigensirup oder Kombinationen mit anderen, mild wirksamen pflanzlichen Mitteln wie Manna-Esche, in der überwiegenden Zahl eine normale Stuhlfrequenz bewirken. Dies hat zusätzlich weitere positive Effekte, die zuvor das Befinden der betroffenen Menschen beeinträchtige. Aufgetriebener Bauch mit Blähungen, Druckgefühl im Unterbauch, Pressen beim Stuhlgang werden weitgehend beseitigt und damit das persönliche Wohlbefinden entscheidend verbessert.

Vorsicht ist geboten, wenn zusammengesetzte Feigensirup-Zubereitungen angeboten werden. In alten Rezepten von zusammengesetztem Feigensirup gibt es auch Zubereitungen, die neben den Feigen auch stark wirksame abführende Drogen wie Früchte der Sennespflanzen enthalten.

In der Volksheilkunde der Mittelmeerländer wird die Echte Feige in Form der Früchte, der Blätter und Zweige noch recht umfassend zur Heilung verschiedener Beschwerden eingesetzt. Ein Teeaufguss gilt als gutes Heilmittel bei der Behandlung von Halsschmerzen, Entzündungen im Halsschlund, Erkältungen, Katarrhen, Parodontose oder Blasen- und Nierenentzündungen. Selbst bei schweren Erkrankungen, wie bei Masern oder Scharlach versuchte man mit Feigenfrüchten Besserung zu erreichen.

Der Milchsaft, der in den Ästen der Pflanzen vorhanden ist, wurde dazu verwendet, Furunkel und Wunden zu verätzen. Auch Warzen versuchte man mithilfe der ätzenden Wirkung zu behandeln.

Echte Feige © Ernst Frühmann

Echte Feige © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Echte Feige ist eine Nutz- und Heilpflanze, die wir im südlichen Teil Europas in der Natur häufig finden und die in verschiedenen “Sorten” kultiviert wird. In den Kulturräumen der Antike und der christlichen Welt hatten und haben die Blätter der Feige zusätzlich hohe Symbolkraft.

In der Volksmedizin kommt der Sirup der Feige bei verschiedenen gesundheitlichen Störungen zur Anwendung. Gute Wirksamkeit wird dem Feigensirup für Kinder und Erwachsene bei leichteren Formen der Verstopfung und Darmträgheit bescheinigt.

Römische Kamille

Römische Kamille © Ernst Frühmann

In weiten Teilen Europas wird der Echten Kamille (Matricaria recutita L.) gegenüber der Römischen Kamille der Vorzug gegeben. Das liegt daran, dass es zur Wirkung der Echten Kamille viele wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Diese fehlen bei der Römischen Kamille weitgehend, dennoch wird in Belgien, Frankreich und Großbritannien diese Heilpflanze der Echten Kamille praktisch gleichgestellt und auch häufig eingesetzt.

Die Römische Kamille – Chamaemelum nobile (L.) ALL. – wird in Ländern Westeuropas als „die Kamille“ bezeichnet; sie hat im Vergleich zur Echten Kamille etwas unterschiedliche Inhaltsstoffe, kommt aber trotzdem bei ähnlichen Beschwerden zur Anwendung.

Der Unterschied setzt sich auch im Namen fort; während in der deutschen Bezeichnung der beiden Heilpflanzen der Name Kamille mit der Bezeichnung der Art (Echt oder Römisch) kombiniert wird, fehlt in den lateinischen Namen diese Übereinstimmung. Während Matricaria das Wort matrix (Gebärmutter) in sich trägt, hat Chamaemelum als Erinnerung an den feinen apfelartigen Geschmack seinen Namen bekommen.

Römische Kamille © Ernst Frühmann

Römische Kamille © Ernst Frühmann

Medizinische und volksmedizinische Anwendung

Extrakte kommen sowohl innerlich als auch äußerlich zur Anwendung. Während die Echte Kamille in weiten Teilen Europas dominant zur Anwendung kommt, wird in Großbritannien, Frankreich und in Belgien der Römischen Kamille der Vorzug gegeben.

Aus der traditionellen Verwendung gesteht die HMPC den Zubereitungen aus der Römischen Kamille eine Wirkung bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen- und Darmtrakt, bei Blähungen oder Flatulenz (verstärkte Entwicklung von Gasen) zu.

In der Volksmedizin sind folgende Indikationen – wiederum vor allem in Westeuropa – mit innerlicher und äußerlicher Anwendung beschrieben. Bei Bauchschmerzen oder Verdauungsproblemen; als Bittermittel bei Appetitstörungen, Völlegefühl und als Karminativum, aber auch bei Menstruationsbeschwerden, schmerzhafter und unregelmäßiger Periode, bei Entzündungen im Mund und Rachen oder der Magenschleimhaut. Im Weiteren bei Nervosität und allgemeiner Schwäche. Äußerliche Anwendungen (Aufgüsse) erfolgen zur Wundspülung, bei Analfissuren oder bei Hämorrhoiden und auch bei Dekubitus oder als Inhalation bei Entzündungen der Stirn- und Nasenhöhlen. Die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungsgebieten ist nicht hinreichend dokumentiert.

Homöopathie: Bei nervösen Störungen, Magen- Darmstörungen; hergestellt wird die Urtinktur aus den frischen oberirdischen Teilen ungefüllter Varietäten.

Teezubereitung: Für die äußerliche Anwendung: Drei Gramm der getrockneten Blüten der Römischen Kamille werden mit 100 Milliliter kochendem Wasser übergossen; man lässt 10 Minuten ziehen und seiht dann ab.

Als Schmuckdroge können Blüten in einer Konzentration von maximal 1 Prozent Teemischungen zum innerlichen Gebrauch zugesetzt werden.

Nebenwirkungen: Keine Anwendung bei bekannter allergischer Reaktion auf Korbblütler. Gelegentlich allergische Hautreaktionen.

Römische Kamille © Ernst Frühmann

Römische Kamille © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

 Die Römische Kamille zählt zu jenen Heilpflanzen, die in den westlichen Ländern Europas bei den unterschiedlichsten Erkrankungen zur Anwendung kommen. Diese Heilkräfte kommen im Wesentlichen durch drei Wirkstoffgruppen zustande: ätherisches Öl, Flavonoide und Sesquiterpenlactone.

In der Volksmedizin zeigen sie Wirksamkeiten bei krampfartigen und entzündlichen Erkrankungen im Magen- Darmtrakt oder bei gynäkologischen Beschwerden, bei entzündeten Schleimhäuten im Mund und Rachenraum, im Genital- und Analbereich oder in der Wundbehandlung.

Die Anwendung von Extrakten aus der Römischen Kamille kann innerlich oder äußerlich erfolgen; Zubereitungen werden teilweise in der traditionellen Medizin durch die HMPC anerkannt, kommen aber vorwiegend in der Volksmedizin oder Homöopathie zur Anwendung.

Abwehrkräfte (Sonderartikel)

Sonnenhut © Ernst Frühmann

In Zeiten wie diesen, in denen die Nachrichten täglich von neuen Horrormeldungen zum Coronavirus und Covid -19-Erkrankungen geprägt sind, fragen sich viele Menschen, ob sie etwas tun können, das sie vor Infekten schützt und gute Bedingungen schafft, gesund zu bleiben. Gegen Covid -19 gibt es leider noch kein wirksames Medikament.

Wenn man selbst zur Gruppe der gefährdeten Personen zählt, dann kann dies verschiedene Ursachen haben: Alter, Vorerkrankungen, Lebensumstände usw. Gegen das Alter kann man praktisch nichts unternehmen, die Jahreszahl ist eine fixe Größe, der Gesundheitszustand eine schon sehr variable Größenordnung und vermutlich noch größer ist die unterschiedliche Fitness und Leistungsfähigkeit innerhalb eines Jahrgangs.

Bevor wir zu den Möglichkeiten der Optimierung unserer Abwehrkräfte schauen, werfen wir einen Blick auf jene Faktoren, die unser Immunsystem belasten oder schwächen.

Die folgende Aufstellung berücksichtigt wesentliche Kriterien:

  • Von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit her sollte man den Lebensraum in Beruf und Heim möglichst angenehm gestalten. Trockene Luft schafft trockene Schleimhäute, die dann für Infektionen anfällig sind. Überheizte Räume und gleichmäßig hohe Innentemperaturen ohne Luftbefeuchtung fördern Infekte.
  • Raucher belasten sich und Menschen in ihrem Umfeld unnötig in Zeiten erhöhter Ansteckungsgefahren.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum ist auch nicht „bakterienabtötend“, sondern schwächt eher den Körper.
  • Stresssituationen sollten vermieden werden. Ein Zurückschalten und Konzentration auf das Wesentliche kann durchaus gesundheitsfördernd sein.
  • Der Tausch eines stressigen „ich muss“ gegen ein entspannendes „ich will, wenn möglich“ ist überlegenswert.
  • Der Körper braucht sicher Bewegung in diesen Monaten, sollte aber in kritischen Phasen nicht überfordert werden. Spazieren gehen und Entspannung in frischer Luft ist sicher oft gesundheitsfördernder als kräfteraubendes Training.
  • Zu große Kälte schadet unserem Immunsystem. Das sollte man bei Bewegung in der kühlen oder kalten Luft bedenken; das dürfte in den kommenden Monaten vermutlich das geringere Problem sein.
  • Ausreichende Schlafzeiten sollten eingeplant werden, da Schlafentzug das Immunsystem schwächt.
  • Neigung zu Allergien auf Pollen kann in den kommenden Monaten zur zusätzlichen Belastung werden.
  • Das Wasser ist ein wesentlicher Begleiter für die Stärkung der Abwehrkräfte: als kaltes Wasser zum Abhärten und zur Stimulierung unserer Abwehrkräfte, aber auch als warmes Bad, wenn es der Körper nach der Kälte braucht.
  • Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der Gesundheit und zur Vorbeugung grippaler Infekte. Essen, das ausreichend Mineralien, Spurenelemente und Vitamine enthält, wäre optimal. Sollte dies im Berufsleben schwer möglich sein, gibt es viele Möglichkeiten der Ergänzung. Ergänzungen, die ausgewogen und umfassend einen Mangel beheben, werden ausreichend angeboten.
  • Der Bereich der Heilpflanzen ist schließlich jene Säule, die als vorbeugende Maßnahme geeignet ist und zusätzlich bei einem Infekt helfen kann, die Erkrankungszeit abzukürzen.

 

Was können wir nun tun, dass unsere Abwehrkräfte gestärkt werden?

Wenn wir es umfassender betrachten, dann können einige Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Ein gesundes Maß an Bewegung – wenn möglich in der Natur – regelmäßig anzustreben, verstärkt auf hochwertige Nahrungsmittel gemäß der Ernährungspyramide zu achten, die gesundheitsfördernde Wassertherapie von Pfarrer Sebastian Kneipp zu nützen, positive soziale Kontakte mit dem derzeit gebotenen Abstand nicht zu vernachlässigen und letztendlich auch die Kräfte sanfter Naturheilmittel einzusetzen, wenn alle anderen Hilfestellungen nicht die gewünschte Wirkung zeigen.

Es ist mir durchaus bewusst, dass in diesen schwierigen Zeiten für Menschen in der Stadt, in beengten Wohnungen, bei komplizierteren Familienstrukturen andere Voraussetzungen gelten als für Menschen, die am Land, am Puls der Natur, in eigenen, großzügigeren Häusern oder in harmonischen Beziehungen leben. Diese Unterschiede sind ganz einfach da; wesentlicher ist sicher, wie wir mit diesen ungewohnten Situationen mit unterschiedlichen Voraussetzungen umgehen und für uns das Bestmögliche herausholen.

Welche Möglichkeiten bieten uns nun Heilpflanzen zur Steigerung der Abwehrkräfte?

Sollte nicht der Stress eine der Hauptursachen für ein geschwächtes Immunsystem sein, dann könnte es doch ein viraler Angriff sein, der nicht von der körpereigenen Abwehr abgefangen werden konnte.

Auch hier bieten sich Extrakte an, die von einer Pflanze stammen, die ursprünglich in Nordamerika beheimatet war. Vom Sonnenhut werden mehrere Arten medizinisch verwendet. Frischpflanzen-Extrakte vom Purpur-Sonnenhut, Extrakte aus der Wurzel des Bleichen Sonnenhutes oder auch Verarbeitungen in der Homöopathie mit dem Schmalblättrigen Sonnenhut sind einige Beispiele, die zu einer Stärkung des Immunsystems führen und damit für den Körper zur wertvollen Hilfe bei der Bewältigung der viralen Belastung werden.

Sonnenhut © Ernst Frühmann

Sonnenhut © Ernst Frühmann

Die homöopathischen Zubereitungen von Heilpflanzen, die das unspezifische Immunsystem stimulieren oder beim beginnenden grippalen Infekt zur Anwendung kommen, enthalten Echinacea von Urtinktur bis D4 oder D6 Potenzierungen.

Die Steigerung des Immunsystems hat aber auch Grenzen. Vorsicht ist geboten bei Sonnenhutpräparaten für Allergiker, da es eine Allergie auf Korbblütler gibt. Aber auch Menschen mit sogenannten fortschreitenden Systemerkrankungen, wie z.B. Tuberkulose, Multiple Sklerose oder Diabetes, dürfen diese nicht einnehmen.

Eine weitere Möglichkeit die Abwehrkräfte zu mobilisieren bietet uns die Graubehaarte Zistrose, eine Heilpflanze, die im Mittelmeerraum Griechenlands ihre Heimat hat. Sie kann sowohl als Tee eingesetzt werden oder auch in Form definierter Extrakte zur Anwendung kommen. Da hat sich in den letzten Jahren ein Produkt besondere Aufmerksamkeit erarbeitet, das mit dem Zistrosenextrakt einige weitere wertvolle Wirkstoffe kombiniert hat und damit einen umfassenderen Wirksamkeitsbereich geschaffen hat.

Zistrose © Ernst Frühmann

Zistrose © Ernst Frühmann

Ein Grund zur Schwächung der intakten körpereigenen Abwehrkräfte kann auch darin liegen, dass dem Körper zu viel zugemutet wird. Überforderung im sportlichen Bereich oder auch im Beruf schadet dem Immunsystem ebenso wie eine Anhäufung von Stresssituationen. Wenn sich die Lebenssituation schwer ändern lässt, sind es Extrakte von Heilpflanzen, die in dieser Situation den menschlichen Körper unterstützen. Zurzeit wird auch immer wieder der Umstand angesprochen, dass Familien durch „die Schule zu Hause“ und „Homeoffice“ in den eigenen vier Wänden überfordert sind. Gelassenheit ist hier vermutlich immer wieder gefragt; auch das ist ein Thema für die angesprochenen Heilpflanzen, eventuell ergänzt durch ganz mild beruhigende Komponenten.

Der Ginseng ist wohl eines der ältesten Heilmittel aus Asien, das wir kennen; die Stress abschirmende Wirkung des Ginseng ist belegt und die kurmäßige Einnahme von etwa 100 mg Ginseng-Extrakt pro Tag führt bei Erwachsenen zu mehr Gelassenheit in Stresssituationen und letztendlich auch dazu, dass das Immunsystem intakt bleibt.

Ginseng © Ernst Frühmann

Ginseng © Ernst Frühmann

Eine zweite Heilpflanze, die hier unterstützend eingreift ist die Rosenwurz. Extrakte aus der Rosenwurz befähigen den Körper mit Stress besser umgehen zu können und sind als Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke erhältlich. Ein weiterer positiver Effekt, der bei der Einnahme von Ginseng oder Rosenwurz auftritt, ist die verbesserte Leistungsfähigkeit unseres Körpers und Merkfähigkeit unseres Gehirns.

Rosenwurz © Ernst Frühmann

Rosenwurz © Ernst Frühmann

Die aufgezeigten Beispiele sind ein Teil von weiteren umfassenden Möglichkeiten, die sich aus den angesprochenen Kombinationen ergeben. Genauere Informationen sind entweder den Artikeln von www.heilpflanzenwissen.at oder anderer Literatur zu Heilpflanzen zu entnehmen.

Eibe

Eibe © Ernst Frühmann

Die Familie der Eibengewächse hat in Europa nur einen Vertreter; die Europäische Eibe oder nur Eibe genannt. Diese ist seit der Antike als Giftpflanze bekannt; sie wurde oft als Todesbaum bezeichnet, sind doch alle ihre Pflanzenteile – mit einer Ausnahme – giftig. Der im Herbst leuchtend rote Samenmantel (Arillus), der den giftigen Samen umschließt, ist ungefährlich und essbar. Er diente auch den Holzarbeitern als durstlöschendes Mittel.

Die Eibe war aber auch in einer zweiten Form „todbringend“. Ihr zähes, hartes, aber elastisches Holz war bestens geeignet zur Herstellung von Pfeil und Bogen. Die bis zu 2 Meter großen Eibenbögen der Engländer führten auch zu deren militärischer Überlegenheit in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends.

Auch Shakespeare schreibt zur tödlichen Wirkung der Eibe:

  Betbrüder lernen selbst, die Eibenbögen,
  die zweifach tödlichen, auf dich zu spannen. 

Eibe © Ernst Frühmann

Eibe © Ernst Frühmann

Die Eibe in der Medizin

Ein Extrakt aus der Rinde der pazifischen Eibenart (Taxus brevifolia) erwies sich in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts als tumorhemmend. Im folgenden Jahrzehnt erkannte man die Struktur der Taxane; Taxol = Paclitaxel wirkt als mitosehemmende Substanz, aber nicht bei oraler Gabe. Es dauerte fast weitere zwei Jahrzehnte, bis es gelang, diese Substanz als wirksames Medikament zur Verfügung stellen zu können.

Für die Gewinnung von 1 kg Taxol musste man rund 1000 Bäume dieser amerikanischen Art fällen. Dies führte zur Suche nach anderen, gleich wirksamen Substanzen. Man fand in den Nadeln von Taxus baccata eine Ausgangssubstanz, die man zu Docetaxel umbaute, und in bestimmten Fällen bei Ovarial– und Mammakarzinomen bzw. bei Prostatakrebs eingesetzt wird.

Therapien mit diesen Medikamenten, die auch schwere Nebenwirkungen zeigen, sind nur in Kliniken möglich.

In der Homöopathie werden die frischen Zweigspitzen zu Arzneimitteln verarbeitet und bei Hautproblemen und bei Verdauungsschwäche eingesetzt.

 

Giftwirkung der Eibe 

Durch die verlockenden und auffallend roten „Beeren“ kommt es häufig bei Kindern zum Verschlucken der Samen. Wenn die Samen nicht verletzt oder zerbissen werden, ist die Gefahr einer Vergiftung gering.

Aus den Erfahrungen von Selbstmordversuchen und Untersuchungen der Giftigkeit von Taxin (Taxin B) weiß man, dass ungefähr 50 bis 100g Eibennadeln – oder ein Extrakt daraus – als tödliche Dosis angesehen werden können.

Nach etwa einer Stunde kommt es zu Übelkeit, Brechreiz, Leibschmerzen und Schwindelgefühl. Die Steigerung der Wirkung führt zu roten Lippen, Bewusstlosigkeit, Atembeschwerden und Tachykardie. In der letzten Phase kommt es zu Blutdruckabfall, Pulsverlangsamung und Tod durch Atemlähmung im diastolischen Herzstillstand. Die Todesfälle ereignen sich meist innerhalb von 24 Stunden, aber auch ein 3-4 Tage dauernder Todeskampf ist möglich.

Gegen Eibenvergiftung gibt es noch kein gesichertes Gegenmittel. Es wird versucht, mit Lidocain–Infusionen die negativen Auswirkungen auf die Herzleistung zu verhindern. Eine Vergiftung ist unbedingt vom Arzt zu behandeln. Am Beginn der Gegenmaßnahmen stehen immer die Magenentleerung und die Gabe von Aktivkohle und Glaubersalz.

Eibe © Ernst Frühmann

Eibe © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

In der Antike stand die Giftwirkung der Eibe, die oft als Todesbaum bezeichnet wurde, im Vordergrund. Das heutige Wissen erlaubt es, auch die giftigen Wirkstoffe der Eibe – sowohl aus der Rinde der amerikanischen Eibe als auch aus den Nadeln der europäischen Art – in Form modernster Arzneimittel als Heilmittel für den Menschen zu nutzen.

Das Holz, das heute noch für Schnitz- und Drechselarbeiten Verwendung findet, war vor 700 Jahren ein militärisches Trumpf-As bei der Herstellung von Pfeil und Bogen.

Kapland-Pelargonie

Kapland-Pelargonie © Ernst Frühmann

Am Ende des 19. Jahrhunderts stieß ein Engländer in Südafrika bei der Behandlung seiner Erkrankung auf Extrakte jener Wurzel, die bei ihm zur Heilung seiner Beschwerden führten. Damit brachte er den Europäern eine Arzneipflanze näher, die im letzten Jahrhundert zu einem bedeutenden pflanzlichen Arzneimittel aufstieg.

Diesen erfolgreichen Weg verdanken wir dem Forschergeist eines deutschen Herstellers, der aus der Wurzel einen Spezialextrakt entwickelte, der von Wissenschaftlern bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten als wirksam eingestuft wurde. Erfreulich dabei ist, dass diese Extrakte für Kinder ab einem Jahr eingesetzt werden können und für Erwachsene analoge positive Ergebnisse vorliegen. In den letzten Jahren wurden ähnliche Extrakte auch von anderen Herstellern als Arzneimittel angeboten.

Die Kapland-Pelargonie trägt auch den Namen Umckaloabo, eine Bezeichnung, die der Zulu-Sprache entnommen ist und zwei Worte verbindet, die auf starken Husten bzw. Erkrankung der Lunge und Schmerzen im Bereich des Brustkorbes hinweisen.

Innerhalb der Familie der Storchschnabelgewächse sind die Gattungen Pelargonium (vom griechischen Wort Pelargos – der Storch) und Geranium zwar eng verwandt, zeigen aber neben Gemeinsamkeiten doch deutliche Unterschiede. Zwei davon sind, dass einerseits Pelargonien einen Sporn durch ein mit dem Stängel verwachsenes Kelchblatt ausbilden, anderseits die Geranien ihre Samen durch einen effizienten Schleudermechanismus an die Umwelt abgeben.

Kapland-Pelargonie © Ernst Frühmann

Kapland-Pelargonie © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Die Wirkung der alkoholischen Extrakte aus der Pelargonium-Wurzel wurde gegen Ende des letzten Jahrhunderts durch verschiedene Studien bei Erkältungskrankheiten bestätigt. Dies gilt für Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege, die viral (etwa 90%) oder bakteriell bedingt sind. Dazu gehören Erkrankungen wie die akute Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Entzündungen der oberen Atemwege (Bronchitis), Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut (Rhinopharyngitis) und Mandelentzündung (Angina tonsillaris), die meist durch Bakterien verursacht wird.

Sowohl für Erwachsene als auch für Kinder konnten eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bestätigt werden. Die Vorteile einer Behandlung mit Arzneimitteln aus dieser Heilpflanzen liegen darin, dass die Erreger dieser Infekte wirksam an ihrer Vermehrung gehemmt werden, dass Schleim besser abtransportiert wird, eine Besiedelung durch Bakterien behindert wird, da das Anhaften der Erreger an die Schleimhäute erschwert wird und es zu einer deutlichen Verkürzung der Krankheitsdauer kommt. Ein wesentlicher Pluspunkt liegt auch darin, dass durch die Anwendung dieser Extrakte die Gefahr einer Resistenzentwicklung nicht gegeben ist und ein paralleler Einsatz mit Antibiotika möglich ist, wenn Antibiotika wirklich notwendig sind.

 Vorsicht ist eventuell wegen Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln geboten. Nebenwirkungen sind vereinzelt beschrieben.

Als Gegenanzeigen werden erhöhte Blutungsneigung und Anwendung gerinnungshemmender Medikamente, schwere Leber- und Nierenerkrankungen und Schwangerschaft/Stillzeit angeführt.

Ihre Apotheke wird Sie gerne dazu informieren und beraten.

Die Berichte über einen eventuell vorliegenden Verdacht auf eine Leber schädigende Wirkung wird von Wissenschaftlern derzeit nicht bestätigt.

Kapland-Pelargonie © Ernst Frühmann

Kapland-Pelargonie © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

 Die Pelargoniumwurzel ist in der traditionellen Medizin Südafrikas verankert; seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird sie auch in Europa als pflanzliches Heilmittel eingesetzt.

Dank zweier Gruppen von Inhaltsstoffen – Gerbstoffe und Cumarine – wurden wissenschaftlich Wirkungen gegen Bakterien und Viren bestätigt. Erkältungskrankheiten, die in hohem Ausmaß viral bedingt sind, können durch pflanzliche Arzneimittel mit hochwertigen Wurzelextrakten aus dieser Arzneipflanze wirkungsvoll behandelt werden.

Lavendel (Echter)

Echter Lavendel © Ernst Frühmann

Das Wort Lavendel ruft bei den Menschen die unterschiedlichsten Erinnerungen wach. Ein Teil denkt vermutlich gleich an die Pflanze, die seit Jahrhunderten in der Phytotherapie und Aromatherapie wertvolle Hilfe bietet und jetzt als Arzneipflanze des Jahres 2020 im Mittelpunkt des Interesses steht. Bei einem weiteren Teil werden eventuell Urlaubserinnerungen geweckt, wenn der Duft des Lavendels in der Nase zu spüren ist und damit die attraktiven Bilder der Lavendelfelder in der Provence wieder auftauchen. Andere denken beim Duft des Lavendels an bestimmte Parfüms, die vom ätherischen Öl dieser ursprünglichen Mittelmeerpflanze geprägt sind und das eventuell auch von der Oma verwendet wurde. Aber auch die Küche hat den Lavendel mit seinen interessanten Aromen in Speisen, Eis und anderen Gerichten für sich entdeckt.

Bei der Arzneipflanze 2020, dem Echten Lavendel, geht es um eine Art in der Gattung Lavendel, die sich durch ganz charakteristische Inhaltsstoffe im ätherischen Öl von anderen Arten klar unterscheidet.

Die schnell wachsende Art Lavandin (Lavandula intermedia, eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel (L. latifolia), hat wesentliche Anteile an Kampfer im ätherischen Öl und ist damit für medizinische Zwecke weniger geeignet. Weitere Arten sind der Wollige Lavendel und der Schopflavendel, der nun auch oft in Gärtnereien als Zierpflanze angeboten wird.

Echter Lavendel © Ernst Frühmann

Echter Lavendel © Ernst Frühmann

Anwendung in der Medizin

Dank der – durch wissenschaftliche Organisationen – anerkannten Wirkungen sind Lavendelblüten beziehungsweise deren Extrakte innerlich zur Besserung leichter Stress- und Erschöpfungssymptome oder bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen angezeigt. Neuere Erkenntnisse belegen, dass ätherisches Öl für Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung für Erwachsene empfohlen wird mit dem Vorteil, dass es zu keiner Gewöhnung oder Abhängigkeit kommt. Aber auch funktionelle Oberbauchbeschwerden, wie z. B. Reizmagen, nervöse Darmbeschwerden oder Blähungen können durch Lavendel günstig beeinflusst werden.

Bei funktionellen Kreislaufstörungen kann ein Bad mit Lavendelblütenextrakten sinnvoll sein. Dafür werden 50 bis 60 g Lavendelblüten mit einem Liter Wasser übergossen, zum Sieden erhitzt und nach 10 Minuten abgeseiht; dieser Extrakt wird dem Badewasser für ein Vollbad zugesetzt.

In der Volksmedizin verwendet man Lavendel außer als beruhigendes, nervenstärkendes, krampflösendes Mittel auch in der Wundbehandlung, wie bei schlecht heilenden Wunden oder leichten Verbrennungen, zur Migränebehandlung, aber auch als Lavendelspiritus als Einreibung bei rheumatischen Erkrankungen, wobei hier auch die hautreizende Wirkung genützt wird.

Bei der Dosierung ist zu beachten, dass 1 – 4 Tropfen ätherisches Öl, das sind 20 – 80 Milligramm, als wirkungsvolle Dosis angesehen werden. Daher sind von den Lavendelblüten mit einem Gehalt von 3% ätherischem Öl rund 2,5g als Einzeldosis in einer Zubereitung angezeigt.

Die Aromatherapie nützt das Duftgedächtnis der Menschen. Über Millionen Riechzellen an der Nasenschleimhaut werden Duftinformationen an das Limbische System weiter gegeben. Hier wird der Duft mit Erinnerungen und Emotionen verknüpft, auf die der Körper mit messbaren Ergebnissen reagiert. Lavendelöl wirkt bei gestressten Menschen beruhigend, kann aber auch bei leichten depressiven Verstimmungen belebend wirken, führt also zu einem Ausgleich entgleister Gemütszustände. 

Echter Lavendel © Ernst Frühmann

Echter Lavendel © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Blüten des Echten Lavendel (Arzneipflanze 2020) liefern das zur Therapie verschiedener Erkrankungen notwendige ätherische Öl. Das Öl oder die getrockneten Blüten sind eine wirkungsvolle Hilfe bei Unruhezuständen, Angststörungen, Einschlafstörungen oder funktionellen Oberbauchbeschwerden. Zur Behandlung eignen sich Teezubereitungen, Bäder oder ätherisches Öl sowohl innerlich als auch äußerlich.

Sojabohne

Sojabohne © Ernst Frühmann

Die Sojabohne ist eine Kulturpflanze, die nicht wild vorkommt. Man nimmt an, dass die Wildform Glycine soja SIEBOLD et ZUCC. ist.

Die Sojapflanze hat eine Jahrtausende alte Tradition in ihrer Verwendung und ist auch heute einmal als Gewürzdroge wertvolle Grundlage zur Herstellung verschiedener hochwertiger Sojasoßen; aber auch im medizinischen Bereich schreibt man den Sojaprodukten und deren unterschiedlichen Inhaltsstoffen bzw. Wirkstoffen wie Lezithin oder Isoflavonen, gute therapeutische Eigenschaften zu.

Je nach Verwendung kommt Soja als gelbe, grüne oder schwarze Sojabohne in den Handel; Sojaschrot, vollfettes oder fettfreies Sojamehl, Sojaöl, Sojalezithin, Sojaeiweiß, Sojamilch oder Sojakeime können Grundlage für Zubereitungen sein oder selbst verwertet werden.

Sojabohne © Ernst Frühmann

Sojabohne © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Das Sojaöl wird in Badezusätzen zur Behandlung trockener Haut verwendet. Aber auch in Emulsionen in Form von intravenösen Infusionen zur künstlichen Ernährung ist Sojaöl ein wichtiger Bestandteil.

Sojalezithin hat auch mehrere Anwendungsmöglichkeiten. Als Lösungsvermittler finden wir es in verschiedenen Salben, damit Öl– und Wasserphase eine stabile Verbindung eingehen.

Besser bekannt ist die traditionelle Verwendung als „Nervennahrung“ zur Verbesserung der Konzentration und Merkfähigkeit.

Die Isoflavone gelten heute bei hormonabhängigen Beschwerden in der Menopause als Mittel der Wahl; sie werden auch als Phyto–Östrogene oder als SERMs bezeichnet. Sie sollen das Risiko der Osteoporoseentstehung vermindern, gegen Beschwerden der Wechseljahre wirken, das Risiko von Brustkrebs vermindern. Diese Erkenntnisse stützen sich auf eine asiatische Studie, aus der ersichtlich ist, dass sojareiche Ernährung diese Erfolge begünstigt; man geht davon aus, dass 9% der Eiweißaufnahme aus Sojabohnen stammen sollte.

Soja als Gewürz und Nahrungsmittel

 Soja hat große Bedeutung bei der Herstellung von Sojasoßen, Miso, Netto und Meju erlangt. Dies sind mehr oder weniger dünnflüssige bis pastenförmige Würzmittel der asiatischen Küche, die durch aufwändige Herstellungsverfahren produziert werden. Dabei werden Sojabohnen oder Sojamehl in Kombination mit Weizen, Gerste oder Reis einem unterschiedlich langen Fermentierungsprozess unterworfen, der in einen bis zu zwei Jahre dauernden Reifungsprozess übergeführt wird.

Traditionell hergestellte Produkte mit langer Herstellungszeit sind aromatischer und hochwertiger als Produkte, die in einem beschleunigten Verfahren hergestellt wurden. Je nach Herstellungsart sind sie hell oder dunkel gefärbt.

Diese Produkte sind in China, Japan und anderen asiatischen Ländern unentbehrliche Würz– und Nahrungsmittel.

In nicht traditionell hergestellten Produkten wurden in der Vergangenheit hohe Anteile an Chlorpropanolen gefunden, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Daher gibt es in Europa einen gesetzlichen Höchstwert von 0,02 mg/kg.

Das Sojaöl wird als Speiseöl und als Rohstoff für die Margarineproduktion verwendet; es liegt an der Spitze der Produktion aller Sojaprodukte. Tofu erfreut sich auch in Europa nicht nur bei Vegetariern immer größerer Beliebtheit. Sojamilch wird von Menschen, die tierische Milchprodukte nicht vertragen gerne als Milchersatz verwendet.

Wechselwirkungen mit Soja

Es hat sich gezeigt, dass die regelmäßige Einnahme von Soja oder Sojapräparaten zu einem erhöhten Bedarf an Levothyroxin führt. Das hat zur Folge, dass Patienten, die Präparate für ihre Schilddrüse einnehmen, ihre Werte kontrollieren lassen sollen. Dies gilt, wenn zu einer bestehenden Einnahme von Levothyroxin Soja neu dazu genommen wird (Kontrolle 8 – 10 Wochen nach Beginn der Sojaeinnahme), aber auch beim Absetzen einer länger durchgeführten Sojaeinnahme.

Grundsätzlich sollte die Einnahme eines Schilddrüsenpräparates genau eingehalten werden – morgens nüchtern – und zu einer Einnahme von Sojapräparaten ein zeitlicher Abstand von 4 bis 5 Stunden eingehalten werden.

Sojabohne © Ernst Frühmann

Sojabohne © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Soja ist eine Pflanze mit langer Tradition im asiatischen Raum. Die Bedeutung für Europa ist dagegen vergleichsweise kurz.

Soja hat sowohl im medizinischen Bereich auf Grund vieler verschiedener Wirkstoffe zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten – Haut, Nerven, Hirn, Fettstoffwechsel oder Hormonersatztherapie.

Stark verankert ist die Sojapflanze auch in der Küche mit verschiedenen Produkten von Sojasoße bis Sojamilch.

 
 

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