Curaçao Aloe oder Echte Aloe

Aloe © Ernst Frühmann

Aus der riesigen Anzahl von Aloearten (bis zu 450 Arten) in der Gattung Aloe sollen in diesem Artikel nur ein paar Arten stellvertretend herausgearbeitet werden, die entweder schon vor ein paar Jahrtausenden als Arznei oder Kosmetikum, in den letzten Jahrhunderten in der Medizin und in der Volksmedizin zur Herstellung von Arzneien, oder in den letzten Jahrzehnten als Nahrungsergänzungsmittel und in der Kosmetik Anwendung gefunden haben.

Und hier muss nun ein klarer Strich zwischen der Anwendung der Anthranoide oder des Gels, die beide aus den dicken Blättern der Aloe gewonnen werden, gezogen werden. Während die Anthranoide mit dem Aloin A und B wegen ihrer anerkannt abführenden Eigenschaften seit Jahrtausenden genutzt werden, aber aus dem Arzneischatz verschwunden sind, finden wir nun verstärkt unterschiedliche Zubereitungen der Gelfraktion in zahlreichen Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln und in der Kosmetik.

Weil die Aloepflanzen die Gelfraktion auch als Wasserspeicher nützen, da sie in Regionen natürlich vorkommen, in denen den Pflanzen unregelmäßig Wasser zur Aufnahme zur Verfügung steht, zählt diese Gattung zu den sukkulenten Pflanzen. Die Gelstrukturen können wie ein Filetstück aus den Blättern herausgelöst und dann verarbeitet werden.

Die Aloearten wurden bisher der Familie der Affodillgewächse zugeordnet. Nun findet man in der Literatur, dass sie den Grasbaumgewächsen zugerechnet werden und die Familie der Affodillgewächse als Unterfamilie angegeben wird. Der Name Aloe bezog sich zur Zeit der Griechen und Römer auf die Bitterkeit des gelben Aloesafts. Da die Gelfraktion absolut frei von diesem Aloesaft und den darin enthaltenen, abführend wirksamen Anthranoiden sein muss, ist eine saubere Verarbeitung unerlässlich.

Aloe © Ernst Frühmann

Aloe © Ernst Frühmann

Anwendung in der Medizin, Volksmedizin und Kosmetik 

Wenn Anthranoide in angebotenen Fertigprodukten enthalten sind und dadurch auch eine laxierende Wirkung erreicht wird, dürfen diese nur über kurze Zeit angewendet werden.

In der Volksheilkunde wird Aloe vera Gel zwischen den USA über Indien bis nach China und Europa fast als Allheilmittel und Alleskönner angepriesen. Bei äußerlicher Anwendung reicht dabei die Empfehlung von Hautreizungen, Wundbehandlung über Verbrennungen, Sonnenbrand, bis zu unreiner Haut; auch in Kosmetikprodukten gilt dieses Gel als wertvoller Bestandteil. Durchaus sinnvoll darf bei Nasensprays zur Befeuchtung trockener Schleimhäute die Verwendung des Aloe vera Gels bewertet werden; besonders dann, wenn die Nasenschleimhäute bei chronischen Schnupfenzuständen durch austrocknende Nasensprays vorgeschädigt wurden. Bei innerlicher Anwendung sollte man aber kritisch den oft überzogenen Heilanpreisungen gegenüberstehen.

 

Nebenwirkungen – Wechselwirkungen – Gegenanzeigen – Hinweise

Für anthranoidhaltige Aloeextrakte ist die Liste der Hinweise sehr lang. Die Einnahme soll nur einige Tage dauern, Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren sollen Extrakte nicht einnehmen. Längere Einnahme oder eine höhere Dosis können krampfartigen Durchfall auslösen, der zu Kaliumverlusten und Elektrolytstörungen führen kann. Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten sind zu berücksichtigen. Reversible Pigmenteinlagerungen im Darm sind ebenso möglich wie eine Verfärbung des Urins.

 

Aloe © Ernst Frühmann

Aloe © Ernst Frühmann

Zusammenfassung 

Von ein paar hundert Aloearten werden nur ganz wenige Arten zur Gewinnung eines Extrakts mit den Anthranoiden Aloin A und B (meist aus der Kap-Aloe) oder eines anthranoidfreien Gels (überwiegend aus der Echten Aloe) verarbeitet. Während Anthranoidextrakte als Laxans kaum mehr zur Anwendung kommen, erfreuen sich anthranoidfreie Aloe vera Gelextrakte (äußerlich angewendet) bei verschiedenen Hautproblemen großer Beliebtheit. Die wissenschaftliche Anerkennung der Wirksamkeit ist derzeit noch offen.

Echte Bärentraube

Echte Bärentraube © Ernst Frühmann

Die Bärentraubenblätter sind ein seit langem verwendeter Bestandteil in Blasen- und Nierentees und sie werden als traditionelles Arzneimittel eingestuft. Im Österreichischen Arzneibuch sind die Bärentraubenblätter mit den Birkenblättern und dem Bruchkraut als Species urologicae ein wesentlicher Teil der Wirksamkeit zur Behandlung von Entzündungen der Blase und der ableitenden Harnorgane. Diese Erkrankungen, die Frauen in wesentlich höherem Ausmaß als Männer betreffen, werden zur Behandlung von unkomplizierten Harnwegserkrankungen besonders für Frauen nach der geltenden S3-Leitlinie Bärentraubenblätter empfohlen. Bei den Frauen sind rund 10 Prozent einmal im Jahr mit Entzündungen der Blase und den ableitenden Harnorganen betroffen. Ein bedeutender Teil neigt auch zu weiteren Entzündungen innerhalb eines Jahres.

Neben anderen pflanzlichen Alternativen werden Bärentraubenblätter für die Urlaubsapotheke empfohlen, wenn die Gabe eines Antibiotikums von einem Arzt als nicht notwendig erachtet wurde.

In der Bezeichnung des lateinischen Namens findet sich das Wort Bärentraube zweimal; einmal ist es im aus dem Griechischen stammenden Arctostaphylos enthalten (arktos = der Bär, staphyle = die Traube), zum anderen bedeutet uva ursi im Lateinischen die Traube des Bären.

Echte Bärentraube © Ernst Frühmann

Echte Bärentraube © Ernst Frühmann

 Anwendung als Heilmittel

Die Teezubereitungen aus den Bärentraubenblättern gelten als „Harndesinfiziens“ und werden bei leichten entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und der Blase verwendet. Schmerzen, Brennen beim Harnlassen, erhöhter Harndrang, eventuell auftretendes Fieber sind sichere Anzeichen einer Infektion. Solange nur die unteren Harnwege (bis zur Blase) betroffen sind, ist eine Therapie mit pflanzlichen Mitteln eventuell ausreichend. Ein Vorteil im Vergleich mit der Gabe eines Antibiotikums liegt darin, dass sich die antibakterielle Wirkung erst in den ableitenden Harnwegen entwickelt und dadurch das Darmmikrobiom und die Vaginalflora nicht geschädigt werden. Zusätzlich ist die Gefahr der Resistenzbildung nicht gegeben.

Ob ein Antibiotikum notwendig ist oder die Behandlung mit einem antibakteriell wirksamen pflanzlichen Heilmittel – wie Tee aus Bärentraubenblättern – ausreicht oder nur unterstützend eingesetzt wird, entscheidet ein Arzt. Wenn die Infektion die oberen Harnwege erreicht hat, ist eine rasche Abklärung durch den Arzt unbedingt erforderlich!

NebenWIRKUNGEN – Wechselwirkungen – Gegenanzeigen – Hinweise  

Bei Zubereitungen von Bärentraubenblättern, die auch die Gerbstoffe in hohem Ausmaß enthalten, können bei Personen mit empfindlichem Magen Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Bei Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei Kindern/Jugendlichen unter 18 Jahren (nach HMPC) sollen Zubereitungen von Bärentraubenblättern nicht verwendet werden.

In der Selbstmedikation soll die maximale Einnahmedauer eine Woche nicht übersteigen.

Teezubereitung

Da die Herstellung als Aufguss oder Abkochung zu einem Tee mit hohem Anteil an Gerbstoffen führt, ist es ratsam, die Teeherstellung auf kaltem Weg (Mazerat) zu wählen. Dabei werden 2,5 Gramm der fein geschnittenen oder grob gepulverten Bärentraubenblätter mit 150 ml kaltem Wasser übergossen und unter gelegentlichem Umrühren nach 8 bis 12 Stunden abgeseiht; nach dem Anwärmen wird der Tee schluckweise getrunken.

Echte Bärentraube © Ernst Frühmann

Echte Bärentraube © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Bärentraube ist eine der Preiselbeere ähnliche Pflanze, die in vielen Bergregionen und im nördlichen Europa vorkommt.

Ausgehend von Nordeuropa hat sie auch in unseren Breiten ihren Platz in der Phytotherapie zur alleinigen oder unterstützenden Behandlung von leichten unkomplizierten Harnwegsinfekten bei Frauen eingenommen. Allerdings sollte man bei der Einnahme auf Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Hinweise achten.

Frauenmantel

Gemeiner Frauenmantel © Ernst Frühmann

In der Gattung Alchemilla gibt es recht viele Arten, die sich nur durch minimale Unterschiede voneinander trennen lassen – einige Alchemilla-Arten unterscheiden sich aber doch deutlich. Alleine in Deutschland sind über 50 Arten beschrieben. Verschiedene Botaniker, wie z.B. Werner Rothmaler – berühmt auch durch seine „Exkursionsflora“, haben sich intensiv mit dieser Gattung beschäftigt. Aus medizinischer Sicht kommen derzeit vorwiegend die Art A. vulgaris im weiteren Sinn (s.l.) zur Anwendung. Es gibt auch die Meinung in der Volksmedizin, die allerdings nicht wissenschaftlich fundiert ist, dass der Silbermantel – A. alpina – mindestens ebenso wirksam ist, weil er in höheren Regionen beheimatet ist. Aber auch dem Weichen Frauenmantel (A. mollis) werden ähnliche Wirksamkeiten – ohne wissenschaftlichen Beweis – zugeschrieben.

Die Form der Blätter, die an einen Mantel erinnert, gaben dieser Heilpflanze ihren deutschen Gattungsnamen. Aus diesem leiteten sich viele andere Namen ab, wie Muttergottesmäntelchen oder Jungfrauenmantel. Der lateinische Name lehnt sich vermutlich an den arabischen Namen der Alchemisten an. Der Umstand der Tropfenbildung an den Blatträndern und das Sammeln dieser Tropfen, aber auch von Regentropfen, in den trichterförmig angelegten Blättern führte zu Namen wie Sinnau, Taubecherl, Tauschüsseli, Taukräutel u.a.m. Diese „Tautropfen“, die oft Guttationstropfen sein können, wurden aber auch als „himmlisches Wasser“ gesehen, und besonders die Alchemisten nutzten dieses Wasser bei ihren Versuchen, den Stein der Weisen zu finden.

 

Frauenmantel © Ernst Frühmann

Frauenmantel © Ernst Frühmann

 

Anwendung in der Medizin

Bei der Anwendung von wässrigen oder alkoholischen Zubereitungen aus dem Frauenmantel kann man deutlich den unterschiedlichen Wert der Pflanze in der Schulmedizin und der Volksmedizin erkennen.

Die Gabe von Frauenmantel bei Durchfallerkrankungen wird auch derzeit anerkannt. Dauert die Erkrankung aber länger als 3–4 Tage, sollte ein Arzt die Entscheidung für eine zielführende Therapie treffen.

Zur Behandlung von Durchfallerkrankungen werden 2 Teelöffel Frauenmantelkraut mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergossen, man lässt rund 10 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt davon bis zu 5 Tassen täglich.

Die Volksmedizin kennt für Frauenmantelzubereitungen ein breiteres Anwendungsspektrum. Neben der oben angesprochenen Anwendung kommen leichte Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Rachen. Empfohlen wird die Anwendung bei Wechselbeschwerden, zu starken Monatsblutungen und Magen–Darm–Problemen. Aber auch in Stoffwechseltees – ehemals Blutreinigungstees genannt – oder bei Hautproblemen z.B. in Kombination mit Quendel und Ackerstiefmütterchen wird diese Heilpflanze gerne angewendet.

Zur Behandlung von Wunden und Geschwüren wird auch die äußerliche Anwendung als Waschung oder als Badezusatz empfohlen. Eine Kombination mit Ringelblume, Kamille oder Arnika ist denkbar, aber die Allergiegefahr bei Korbblütlern ist zu beachten.

In der Volksmedizin gibt es auch Berichte über besonders gut verlaufende Geburten bei regelmäßiger Einnahme von einer Tasse Frauenmanteltee täglich in den letzten 1 – 3 Monaten vor der Geburt.

 

Gemeiner Frauenmantel © Ernst Frühmann

Gemeiner Frauenmantel © Ernst Frühmann

 

Zusammenfassung 

Schon die früheren Alchemisten sahen in dieser Pflanze aufgrund ihres Erscheinungsbildes und der morgendlichen Tau-/Guttationstropfen eine Besonderheit und hofften, mit ihrer Hilfe den Stein der Weisen zu finden.

Der Frauenmantel ist eine Heilpflanze, die in der Volksmedizin seit langem bei sogenannten „Frauenleiden“ und zur Wundbehandlung verwendet wird; die medizinische Verwendung bei Durchfallerkrankungen und leichten Entzündungen im Bereich von Schleimhäuten stützt sich auf die Wirkung der Gerbstoffe und Flavonoide.

Seit einiger Zeit wird auch die Schönheit der Pflanze von Floristen genützt; sie wird als schmückendes Beiwerk in Blumensträuße und Gestecke eingebunden.

Westlicher Erdbeerbaum

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann

Im Mittelmeergebiet sind zwei Arten der Gattung Arbutus vorherrschend, die sich doch klar in einigen Punkten unterscheiden. Während der Östliche Erdbeerbaum (A. andrachne L.) im Gebiet östlich von Griechenland in den Macchien wächst, eine glatte Rinde, ganzrandige Blätter, andere Blühzeiten hat und seine Verwendung auch unterschiedlich war, wendet sich dieser folgende Artikel der Art Arbutus unedo L. zu. Die Erfahrungen in der Volksmedizin stützen sich auf diese Art und das Vorkommen erstreckt sich auf ein Gebiet mehrerer Staaten im westlichen Mittelmeerraum.

Der Westliche Erdbeerbaum war über mehr als 2000 Jahre eine bekannte Pflanze in der Volksmedizin, er war berühmt genug, dass er z.B. im Wappen der Stadt Madrid oder anderer Städte aufscheint und wurde dank seiner grünen Blätter, der weißen Blüten und roten Früchte zu einem nationalen Symbol Italiens mit diesen drei Farben, die sich in der Flagge wiederfinden.

Carl v. Linné gab im Jahr 1753 dieser Heilpflanze den auch heute noch gültigen Namen; zur gleichen Zeit bezeichnete er die Bärentraube, deren Blätter ebenfalls einen hohen Gehalt an Arbutin besitzen und gleichwertig zur Behandlung von Harnwegsentzündungen Anwendung finden, als Arbutus uva-ursi in der gleichen Gattung. 1825 stellte dann der Botaniker Karl Sprengel die Bärentraube in die – auch heute gültige – Gattung Arctostaphylos.

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann

Volksmedizinische Anwendung

Bisher vorliegende Untersuchungen mit Extrakten aus den Blättern des Erdbeerbaumes im Labor oder an Lebewesen zeigen Wirkungen, die wir aus den Erfahrungen der Volksmedizin kennen. Derzeit fehlen aber noch ausreichend umfangreiche wissenschaftliche Studien zur Anerkennung dieser Ergebnisse.

Vergleicht man die Wirksamkeit der Erdbeerbaumblätter mit jener der Bärentraubenblätter, dann zeigten Erfahrungen, dass bei der Behandlung von Entzündungen der Harnwege ähnlich gute Wirkungen erzielt werden konnten. Ein Problem besteht aber darin, dass der Gehalt an Arbutin bei den Erdbeerbaumblättern wesentlich geringer ist und eine Erhöhung der Dosierung begrenzt ist, weil durch den deutlich erhöhten Gerbstoffgehalt die Magenunverträglichkeit des Extrakts gefördert wird. Zusätzlich hat man herausgefunden, dass Blattextrakte nur dann wirksam sind, wenn das Arbutin aufgespalten wird und dadurch eine antibakterielle, mikrobielle Wirksamkeit gegen einige Keime entsteht. Zur Bekämpfung von Entzündungen konnte man nachweisen, dass phenolische Verbindungen mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften beteiligt sind.

Durch die Anwesenheit von hydrolysierbaren und kondensierten Gerbstoffen in den Blattextrakten steht fest, dass die zusammenziehende (adstringierende) Wirkung dieser Stoffe bei Durchfallerkrankungen und als Gurgellösung bei entzündeten Schleimhäuten in Mund und Rachen berechtigt zur Anwendung kommt.

Bezüglich der im Labor positiven Erkenntnisse zur Wirkung der Blattextrakte auf das Herz-Kreislaufsystem und deren Auswirkungen auf Gefäße und bei erhöhtem Blutdruck gibt es gute Ansätze; aber es fehlen klinische Ergebnisse.

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Der immergrüne Westliche Erdbeerbaum ist im Mittelmeerraum bevorzugt in den Ländern und auf den Inseln westlich von Griechenland zu finden. Die reifen roten Früchte sind mit Vorsicht zu genießen, aber die Blätter werden seit über zwei Jahrtausenden in der Volksmedizin angewendet. Wirkstoffe wie Arbutin, Gerbstoffe, Flavonoide und andere sind bewährte Mittel bei Entzündungen der Harnwege, helfen aber auch bei Durchfallerkrankungen und bei Entzündungen in Hals und Rachen. Zudem sollen auch positive Wirkungen auf das Herz- Kreislaufsystem möglich sein.

Liebstöckel

Liebstöckel © Ernst Frühmann

Das/der Liebstöckel zählt zu jenen Heilpflanzen, von dem nicht nur bestimmte Pflanzenteile, wie die Wurzel in der Phytotherapie oder Homöopathie zur Anwendung kommen, sondern auch die gesamte blühende Pflanze – einschließlich von Wurzelstock- und Wurzelanteilen – zu einer spagyrischen Essenz verarbeitet wird. Aber auch in der Küche sind die würzig duftenden Blätter (Maggikraut) ein begehrter Teil zur Bereitung einer aromatisch wohlschmeckenden Suppe mit einem Geschmack, der einerseits zwar an die Maggi-Suppenwürze erinnert, anderseits aber nicht die Liebstöckelblätter diesem Fertigprodukt den typischen Geschmack verleihen.

Schaut man auf die volkstümlichen Bezeichnungen in den verschiedenen Ländern Europas, so sieht man, dass diese Gewürz- und Heilpflanze oft mit Liebe und Lust in Verbindung gebracht wurde. Namen wie Liebstängel, Liebrohr, Luststecken, Luststock oder Badkraut zeigen, dass man dem Liebstöckelkraut aphrodisierende oder schönheitsspendende Wirkungen nachgesagt hat. Und eine Besonderheit besteht auch darin, dass beim Liebstöckel sowohl der Artikel der als auch das als richtig erachtet wird. Im Mittelalter gaben Mütter Liebstöckel in das Bad ihrer Töchter um deren Schönheit zu fördern; auch Zubereitungen zum Auftragen auf die Haut sollten diesen Zweck erfüllen. Der Botaniker Linné bezeichnete diesen gelbblühenden Doldenblütler noch als Ligusticum levisticum L.

Liebstöckel © Ernst Frühmann

Liebstöckel © Ernst Frühmann

 Medizinische Anwendung

Zu den medizinischen Anwendungsgebieten zählen die Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten; damit wird auch eine Bildung von Nierengrieß erschwert oder verhindert. Dazu kommt die Anwendung bei Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen, Aufstoßen und Völlegefühl. Als Magenmittel sind die Wurzeln oft Bestandteil von Kräuterschnäpsen und Magenelixieren.

Die Wurzel kommt selten allein als wassertreibendes Mittel zur Anwendung. In Teemischungen mit anderen bewährten wassertreibenden/antimikrobiell wirksamen Heilpflanzen wird die Liebstöckelwurzel oft mit Wacholderbeeren, Birken-, Pfefferminz- oder Bärentraubenblättern, Goldrutenkraut und Hauhechelwurzel in unterschiedlichen Mengenverhältnissen verarbeitet.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die Nebenwirkungen werden unterschiedlich beurteilt: z.B. verursacht das Polyacetylen Falcarindiol in normaler Dosierung keine Kontaktallergien. Teilweise wird empfohlen, UV–Bestrahlung und extensives Sonnenbaden zu vermeiden, da ein – eher kleines – Potenzial an phototoxischer Wirkung vorhanden ist.

Auf Grund der Inhaltsstoffe muss man eine eventuelle Reizung der Niere besonders bei entzündlichen Erkrankungen der Niere beachten.

Achtung: Bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion darf keine Durchspülungstherapie mit Liebstöckel gemacht werden!

Anwendung in der Spagyrik

Während die spagyrische Essenz, die aus allen Pflanzenteilen hergestellt wird, ähnliche Anwendungsbereiche angibt wie in der Phytotherapie, wird die Wirksamkeit nicht über die Wirkstoffe definiert, sondern über die Signatur und andere Aspekte. Meist wird auch die Essenz mehrmals täglich in den Mund gesprüht. Eine Kombination mit anderen Heilpflanzen, wie Engel- oder Meisterwurz, kann das Spektrum der Wirksamkeit erweitern.

Die Zubereitungen finden Verwendung bei Verdauungsbeschwerden, Harnwegsproblemen, Gelenkserkrankungen und als Aphrodisiakum.

Liebstöckel © Ernst Frühmann

Liebstöckel © Ernst Frühmann

 Zusammenfassung

Gesichert wird Liebstöckel schon über mehr als ein Jahrtausend als Gewürz geschätzt und als Heilpflanze bei Erkrankungen der Harnorgane zur Durchspülungstherapie oder als Mittel bei Verdauungsbeschwerden verwendet.

Zusätzlich hat die Liebstöckelwurzel ihren Platz in der Volksmedizin, in der Anthroposophie, der Spagyrik und – sparsam eingesetzt – als Gewürz.

Bei reichlicher Anwendung, bei empfindlichen Personen bzw. bei bestimmten Erkrankungen sollte man auch an Nebenwirkungen oder Gegenanzeigen denken!

Königskerze

Königskerze © Ernst Frühmann

Ein paar Arten der Gattung Königskerze (Verbascum) werden in der Medizin – besonders in der Indikation Hustenerkrankungen – als Heilmittel genützt. Im Unterschied zu vielen anderen hustenwirksamen Arzneipflanzen, die entweder bei Reizhusten oder produktivem Husten zur Anwendung kommen, besitzen die Wirkstoffe, die wir in den Blüten der großblütigen Arten der Königskerze finden, die Fähigkeiten, einerseits die gereizten Schleimhäute in Mund und Rachen zu beruhigen anderseits aber auch den Schleim, der bei entzündlichen Prozessen gebildet wird, in seiner Konsistenz so zu verändern, dass er leichter abgehustet werden kann.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur eine Art von Verbascum. Gefragt sind Arten mit großen Kronblättern, da die von Hand gepflückten Blüten bei dieser aufwändigen Arbeit etwas schneller geerntet werden können. Daher findet man neben der Großblumigen oder Großblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum – früher auch als V. thapsiforme bezeichnet) auch die Gemeine Königskerze (Verbascum phlomoides) und auch die Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus) in den Arzneibüchern.

Königskerze © Ernst Frühmann

Königskerze © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Die getrockneten Blüten stammen vorwiegend aus Kulturen. Ein hoher Anteil wird in Mittel- und Osteuropa geerntet oder stammt aus Ägypten. Begehrter sind die großblütigen Arten, die bei der händischen Ernte auch klar bevorzugt werden; die Blüten werden meist am späteren Vormittag geerntet, wenn die Blüten – eventuell nach Morgentau oder Regennässe – trocken sind. Nicht geerntete Kronblätter fallen bis zum Abend ab. Bei der Trocknung ist darauf zu achten, dass sich die Blüten nicht braun verfärben. In qualitativ einwandfreier Ware darf der Anteil an bräunlich verfärbten Blüten nicht über 5 Prozent liegen. Zusätzlich muss die Droge bei der Lagerung vor Feuchtigkeit gut geschützt werden.

Anerkannt ist die Wirksamkeit der Königskerze als pflanzliches Mittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen bei Katarrhen der Luftwege. Sie findet Verwendung bei Erkältungskrankheiten mit Husten, wenn eine durch die Schleimstoffe bedingte Reizmilderung auf die Schleimhäute erfolgen soll; günstig sind auch die schleimlösenden Eigenschaften der Saponine, die ein Abhusten von zähem Schleim begünstigen.

Königskerzenblüten werden häufiger Teemischungen zugesetzt und seltener als Monodroge eingesetzt. Hier kommt ihnen die Ambivalenz in der Wirkung entgegen, da sie sowohl in Kombination mit Schleimdrogen wie Eibisch, Malve oder Spitzwegerich durch die schleimlösenden Eigenschaften der Saponine die Wirksamkeit erweitern, als auch umgekehrt mit Husten lösenden Ätherischöl- oder Saponindrogen wie Fenchel, Thymian oder Primelwurzel einen Anteil an Schleimstoffen beisteuern, und damit den Reiz auf die Schleimhäute vermindern.

Bei akuten Beschwerden, die länger als 7 Tage andauern oder periodisch wieder auftreten, sollte unbedingt ein Arzt weitere Entscheidungen treffen.

In der Volksmedizin wird die Königskerze auch als harntreibendes Mittel verwendet, kommt in antirheumatischen Tees zur Anwendung, beruhigt entzündete Schleimhäute bei Heiserkeit und wird als Gurgelmittel oder als Wundheilung förderndes Mittel äußerlich genützt.

In der Homöopathie werden Zubereitungen aus der ganzen, frischen Pflanze bei Entzündungen der Atemwege oder der Nasennebenhöhlen, aber auch bei Neuralgien eingesetzt.

Königskerze © Ernst Frühmann

Königskerze © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Königskerze ist eine zweijährige Heilpflanze, deren gelbe Blüten fünf Kronblätter besitzen und deren Blüten von großblütigen Arten bevorzugt werden. Die Trocknung und Lagerung der Droge sollen mit großer Sorgfalt geschehen. Die Königskerzenblüten können in einer Teezubereitung alleine zur Anwendung kommen, finden sich aber viel häufiger in Husten- oder Brustteemischungen mit anderen hustenwirksamen Drogen. Anerkannt ist ihre Wirkung bei Katarrhen der Luftwege. In der Volksmedizin und in der Homöopathie kommen andere Anwendungsgebiete dazu.

Meisterwurz

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Wer in den Alpen wandernd unterwegs ist und offene Augen für die Heilpflanzen in der Natur hat, der wird sicher oft bemerkt haben, dass die Meisterwurz von etwas über 1000 Metern Seehöhe bis zur Waldgrenze ein häufiger Begleiter am Wegesrand ist. Die Menschen der Alpenregion haben die Heilkräfte dieser aromatisch-bitter schmeckenden Heilpflanze vor langer Zeit erkannt und ab dem Mittelalter wurde ihre vielfältige Wirkung in höchsten Tönen gelobt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie auch Kaiserwurzel genannt wurde und sogar als göttliches Allheilmittel (Remedium divinum) tituliert wurde.

Der Wert der heilkräftigen Wurzel war im vergangenen Jahrtausend so hoch, dass man dafür ähnlich viel bezahlen musste, wie für Arnika, Enzian oder andere wichtige und begehrte Heilkräuter. Für das Graben der Wurzeln musste man eine Lizenz besitzen.

Die fehlende wissenschaftliche Anerkennung führte dazu, dass deren Verwendung im Vergleich zu den letzten Jahrhunderten deutlich abgenommen hat. Neuere Studien zur Wirksamkeit zeigen aber, dass die in der Volksmedizin beanspruchten Indikationsgebiete in wesentlichen Teilen berechtigt sein dürften.

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Meisterwurz © Ernst Frühmann

 

ANwendung in der Volksmedizin

Die umfangreiche Anwendung der Meisterwurz beruht auf Erfahrungen, die in den letzten Jahrhunderten gemacht wurden. Sie wurde eingesetzt bei verschiedenen Erkrankungen im Bronchialbereich wie bei Verschleimung der Atemwege, sowohl innerlich als Tee als auch äußerlich zur Inhalation. Eines der Hauptanwendungsgebiete war der Bereich der Erkrankungen im Verdauungstrakt. Dazu gehörten Appetitlosigkeit, Magenverstimmungen, Blähungen und Magenkrämpfe. Häufig findet man auch die Verwendung als Gicht- oder Rheumamittel und die Meisterwurz ist als Wasser treibendes oder Schweiß absonderndes Mittel beschrieben. Gerne gab man sie als Fiebermittel, zur Steigerung der Abwehrkräfte des Körpers, zur Behebung von Schwächezuständen bei älteren Menschen, auch als Gegenmittel bei Vergiftungserscheinungen und nicht zuletzt als Potenz förderndes Stärkungsmittel.

Eine Anwendung bei Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhäute und bei Gallensteinen sollte vermieden werden.

 

Bewährte zubereitungen aus der Meisterwurz:

Tee: 2 Teelöffel des getrockneten Wurzelstocks werden mit 250 Milliliter kaltem Wasser angesetzt und bis zum Kochen erhitzt; man lässt 10 Minuten zugedeckt ziehen; nach dem Abseihen trinkt man zweimal täglich den angenehm warmen Tee.

Herzwein: Schon die Hl. Hildegard von Bingen setzte die Meisterwurz als Wein-Zubereitung zur Stärkung von Herz und Kreislauf ein. In Kombination mit Petersilienkraut soll es auch zu einer leichten Senkung des Blutdrucks kommen.

Bronchialöl: bei Atemwegserkrankungen kann eine 20-prozentige Ölzubereitung ein wertvolles, äußerlich angewendetes Arzneimittel sein.

Verdauungsförderung: Entweder Speisen mit Meisterwurzblättern würzen oder mit Meisterwurzlikör die Produktion von Verdauungssäften fördern um dadurch fette Speisen besser zu verdauen.

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Meisterwurz ist eine mehrjährige Heilpflanze, auf die man im alpinen Bereich über 1000 Meter Seehöhe trifft. Sie war in den letzten 400 Jahren des zweiten Jahrtausends eine äußerst beliebte und geschätzte Heilpflanze; sie wurde in dieser Zeit von vielen Ärzten als Allheilmittel angesehen.

Aufgrund ihrer Wirk-/Inhaltsstoffe, dem ätherischen Öl, den Bitterstoffen und den Cumarinen gilt sie als aromatisches Bittermittel; sie wird und wurde in der Volksmedizin bei Atemwegserkrankungen, Problemen im Verdauungstrakt, bei Fieber- oder Schwächezuständen und zur Umstimmung des Stoffwechsels mit guten Erfolgen eingesetzt.

Wermut

Wermut © Ernst Frühmann

In der Gattung Artemisia gibt es einige Arten, die als Arzneipflanzen unterschiedlich große Bedeutung erlangt haben. Am bekanntesten ist wohl der Wermut, aber auch der Gemeine Beifuß (A. vulgaris), der in der Natur häufig zu finden ist, wird arzneilich und in der Küche verwendet. Beim Einjährigen Beifuß (A. annua) wird derzeit die Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen diskutiert; die Eberraute (A. abrotanum) oder der Zitwer (A. cina) gehören auch zu den nahen Verwandten des Wermuts und sind in den Heilpflanzenbüchern präsent.

Der Wermut ist ein klassisches Beispiel für die Anwendung einer Arzneipflanze zum Wohle der Menschen, aber auch wegen seiner missbräuchlichen Verwendung, die zur Zerstörung menschlichen Lebens führen kann, wie dies mit alkoholischen Getränken in Form vom Absinth eindrucksvoll belegt ist. Der Wermut liegt aber auch als Amarum aromaticum im Spannungsfeld zwischen einer bitter schmeckenden Arznei als Tee oder Tinktur und einem geschmackvoll aromatisch-bitteren Aperitif.

Die im Volksmund für den Wermut verwendeten Namen wie Heilbitter, Magenkraut und Wurmkraut zeigen deutlich, welche Wirkungen dieser Pflanze in der Volksmedizin zugeschrieben wurden.

Wermut © Ernst Frühmann

Wermut © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Die Anwendungsgebiete dieser Heilpflanze erstrecken sich auf Probleme im Magen und im Bereich der Gallenwege. Der Wermut ist wirksam bei Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Verdauungsproblemen mit Krämpfen, Völlegefühl und Blähungen, die durch Störungen der Gallenfunktion ausgelöst werden.

Bei Appetitlosigkeit sind sowohl Teezubereitungen mit Wermut alleine als auch in Kombination mit anderen Bitterstoffpflanzen angezeigt; auch Tinkturen sind bewährte alkoholhältige Arzneimittel.

Als aromatisches Bittermittel ist der Wermut auch zur Behandlung einer Gastritis, die mit verringerter Säurebildung einhergeht, geeignet.

Eine Anwendung sei noch erwähnt, die sich seit Jahrhunderten durch positive Erfahrungen bewährt hat. In der kalten Jahreszeit wird der Wermut häufig Teemischungen beigemengt, die der Behandlung grippaler Infekte dienen. In diesen Teezubereitungen hat der Wermut die Funktion, dem appetitlosen, geschwächten Menschen sein Wohlbefinden rascher zurückzubringen, dem Kranken wieder schneller auf die Beine zu helfen und damit die Dauer der Krankheit abzukürzen.

Es sollte nicht versucht werden, den bitteren Geschmack dieser Zubereitungen mit Zucker zu neutralisieren. Bei zu langer Anwendung kann sich eine Abneigung gegen den bitteren Wermut entwickeln.

Die Teezubereitungen mit Wermut (1 bis 3 Tassen täglich) werden gegen Verdauungsbeschwerden warm nach dem Essen getrunken. Wenn die Wermuttinktur bevorzugt wird, gibt man 20 bis 40 Tropfen in ein halbes Glas Wasser und trinkt davon schluckweise.

Die Teezubereitungen bei Appetitlosigkeit sind etwa 15 bis 30 Minuten vor dem Essen zu verabreichen; sie enthalten außer Wermut oft Tausendgüldenkraut, Bitterklee, Kalmuswurzel oder auch Zimtrinde und Orangenschalen.

Bei Erkrankungen der Galle werden den Teemischungen hingegen Löwenzahn, Pfefferminze, Schafgarbe, Artischocke und andere Heilpflanzen zugesetzt.

 Die Nebenwirkungen beim Wermut sind ernst zu nehmen und besonders bei Überdosierungen und bei der Gabe bzw. bei der Einnahme von ätherischem Wermutöl zu erwarten. Eine Überdosis führt oft zu Erbrechen oder Magen- und Darmkrämpfen; in schweren Fällen sind auch Benommenheit, Kopfschmerzen und zentrale Störungen beobachtet worden.

Da das im ätherischen Öl enthaltene, giftige Thujon schlecht wasserlöslich ist, sind bei Teezubereitungen – in therapeutischen Mengen angewendet – im Unterschied zu alkoholischen Zubereitungen praktisch keine Nebenwirkungen zu erwarten.

In der Schwangerschaft ist mit Wermutzubereitungen auch Vorsicht geboten.

Wermut © Ernst Frühmann

Wermut © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Der Wermut stammt zum größten Teil aus feldmäßigem Anbau in Osteuropa und kaum aus Wildbeständen. Er gilt als aromatisches Bittermittel. Seine Anwendung als Arzneimittel zur Verbesserung der Gallenproduktion und Regulierung des Gallenflusses ist wissenschaftlich anerkannt. Er kommt daher bei Verdauungsproblemen mit Krämpfen, Völlegefühl und Blähungen, die durch Störungen der Gallenfunktion ausgelöst werden, zur Anwendung. Aufgrund der Bitterstoffe eignet sich der Wermut als appetitanregendes Arzneimittel, aber auch als geschmackvoller Aperitif vor einer Mahlzeit und als Digestivum nach einem eventuell zu üppigen Essen.

Ingwer

Ingwer © Ernst Frühmann

Der Ingwer ist eine Pflanze, die ursprünglich den tropischen und subtropischen Lebensraum bevorzugte, nun aber auch in zunehmend wärmeren Regionen Einzug gehalten hat. Da die Ingwerwurzeln in großen Mengen als Gewürz zur Verbesserung der Verdauung von Speisen angewendet werden, findet man besonders in Asien großflächige Anbaugebiete. Derzeit werden jährlich an die fünf Millionen Tonnen geerntet und Indien ist auch der größte Verbraucher dieser Wurzeln mit dem charakteristisch scharfen Geschmack, der aber – je nach Anbauregion – deutlich schärfer sein kann oder zitronenartiger schmeckt.

Der Ingwer ist aber auch ein Heilmittel, das in Asien in der traditionellen Chinesischen Medizin oder in der Ayurvedamedizin seit Jahrtausenden zur Behandlung verschiedener Erkrankungen geschätzt und erfolgreich eingesetzt wird. In den letzten Jahrhunderten hat man seinen arzneilichen Wert auch in Europa anerkannt und nützt seine Wirkung in der Medizin bei einigen Erkrankungen. Bei allen Vorteilen der Ingwerwurzel für die Gesundheit darf man nicht übersehen, dass es in der Anwendung auch Einschränkungen gibt, die beachtet werden sollten.

Ingwer © Ernst Frühmann

Ingwer © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Seit längerer Zeit schätzt man die Wirkung des Ingwerwurzelstocks auch in der westlichen Welt. Zu den neueren Anwendungsbereichen zählt die Verhinderung der Symptome von Reise- oder Seekrankheit, damit es nicht zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen kommt. Hier kann ein Phytotherapeutikum mit 250 Milligramm gepulverter Wurzeldroge pro Kapsel angewendet werden (Erwachsene bis maximal 8 Kapseln täglich) oder man schluckt 2 Gramm gepulverte Droge mit etwas Flüssigkeit.

Prinzipiell wäre der Ingwer auch bei Schwangerschaftserbrechen wirksam, soll aber in der Schwangerschaft nur nach Verordnung verwendet werden!!!

Anerkannt ist die Verwendung von Ingwer bei dyspeptischen Beschwerden, Appetitlosigkeit, zur verstärkten Bildung von Magensaft und damit besseren Bedingungen für eine normale Verdauung von Speisen.

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Ingwer und blutverdünnenden Arzneimitteln, da dadurch das Blutungsrisiko erhöht wird. Eine Absprache mit dem Arzt ist daher sinnvoll.

Ayurveda Medizin

Der Ingwer zählt in Indien und auf Sri Lanka zu den bedeutenden Heilpflanzen; er kommt in verschiedenen Indikationen zum Einsatz. Man unterscheidet zwischen der medizinischen Verwendung des getrockneten Rhizoms und der Anwendung von frischem Ingwer als Gewürz.

In der Ayurveda Medizin gilt der Ingwer als stimulierend auf das Nervensystem, wirkt im Bereich der Atemwege Schleim reduzierend und Auswurf fördernd, hat auf das Verdauungssystem krampflösende, Speichelfluss fördernde Eigenschaften, ist Appetit steigernd, karminativ, digestif und stomachisch. Weitere Wirkungen des Ingwers sind erhitzend, Fieber senkend, aphrodisierend und Milchfluss hemmend.

Ingwer als Gewürz

Der Ingwer ist ein typisches Gewürz der fernöstlichen Küche. Er gehört zu Currygerichten und ist zusammen mit Knoblauch, Tamarinde, Kurkuma u.a. ein Bestandteil des indischen Tandoori, mit dem Geflügel oder Lammfleisch gewürzt wird.

Die fruchtige Schärfe der Ingwerwurzel, die zum Unterschied zu Pfeffer im Mund nicht brennt, macht ihn auch in unserer heimischen Küche zu einem interessanten Gewürz. Chutneys werden längst auch mit heimischen Zutaten zubereitet und zu Gerichten der europäischen Küche gereicht. Man kann ihn auch zu Süßspeisen wie Konfitüren oder Fruchtsalaten geben oder getrocknet und gemahlen – dem englischen Gingerbread nachempfunden – dem Lebkuchengewürz hinzufügen.

Ingwer © Ernst Frühmann

Ingwer © Ernst Frühmann

Zusammenfassung 

Der Ingwer ist eine wichtige Gewürz- und Heilpflanze aus den tropischen Gebieten, der auch in der westlichen Welt sehr geschätzt wird. Besonders hohe Bedeutung hat er in der Ayurveda Medizin in verschieden Indikationen. Die westliche Phytotherapie anerkennt seine Wirkung bei Symptomen der Reisekrankheit wie Schwindel und Erbrechen oder bei dyspeptischen Beschwerden. Als Gewürz kann die Ingwerwurzel zu Eintopfgerichten, Fleisch und Fisch oder zu Obstsalat gegeben werden; Freunde der Geschmacksrichtung süß und scharf schätzen in dunkle Schokolade getunkte Ingwerwurzel.

Süßholz

Süßholz © Ernst Frühmann

Seit Jahrtausenden wird die Wurzel des Süßholzes als Arzneimittel geschätzt und genutzt. Entsprechend ihrem Vorkommen in Asien, Europa und Nordamerika finden sich etwa 30 Arten in unterschiedlichen Regionen. Davon werden drei Arten in Asien und Europa medizinisch genützt. Während G. inflata und G. uralensis in Ostasien beheimatet sind, ist G. glabra vom Mittelmeerraum bis zum Iran dominierend und auch die klassische Arzneidroge dieser Region.

Bei den Chinesen zählt das Süßholz zu den einhundertzwanzig bedeutendsten Heilpflanzen. In Ägypten hatte zur Zeit der Pharaonen das Süßholz eine derart hohe Bedeutung, dass man Süßholzwurzeln zur Vorbereitung auf das Jenseits mit ins Grab legte; das belegen Funde im Grab des Tut-ench-Amun.

Süßholz © Ernst Frühmann

Süßholz © Ernst Frühmann

Anwendung in der Medizin

Die Süßholzwurzel und deren Extrakte oder isolierte Wirkstoffe eröffnen durch ihre unterschiedliche Wirkung sowohl Anwendungen an verschiedenen Organen als auch in einigen Indikationen.

Durch die Wirkung der Triterpensaponine, verschiedener Isoflavane und Isoflavone gelten Extrakte aus der Wurzel als gutes Heilmittel bei Husten und Bronchialkatarrhen oder Entzündungen im Bereich der oberen Luftwege.

Gute Erfolge erreicht man mit Süßholzextrakten auch bei Magengeschwüren oder Gastritis und in der vorbeugenden Behandlung dieser Erkrankungen. Die dabei notwendige entzündungshemmende Wirkung kommt von der Glycyrrhizin- und der Glycyrrhetinsäure, die aber auch noch andere Eigenschaften besitzen, die sich günstig auf den Heilerfolg auswirken.

Ein weiterer Anwendungsbereich sind Entzündungen der Haut oder der Schleimhäute im Mund und Rachen – einschließlich der Behandlung der Aphten. Auch bei Fieberblasen versuchte man mit Gelen eine schnellere Abheilung zu erreichen.

Die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) nützt die getrocknete Süßholwurzel oder die in Honig geröstete Wurzel zur Entgiftung stärkerer Arzneien aber auch zur Stärkung von Milz, Lunge, Herz und Magen.

Im ostasiatischen Raum wird die Glycyrrhizinsäure mit zwei weiteren Wirkstoffen als Infusion erfolgreich zur Behandlung der chronischen Hepatitis und Leberzirrhose eingesetzt. Dabei zeigt sich, dass bestimmte Wirkstoffe in der Behandlung der Hepatitis A und C als antiviral und antihepatotoxisch eingestuft werden können.

In der COVID-19-Pandemie zeigte sich eine weitere wertvolle Eigenschaft der Wirkstoffe der Süßholzwurzel. Es konnte bewiesen werden, dass mit Süßholzextrakten die Virusanheftung und -vermehrung unterdrückt wird, die Immunantwort und der Schutz bestimmter Organe gestärkt werden, Entzündungen gebremst und gebildete Toxine besser eliminiert werden.

Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

 Die Anwendung der Süßholzwurzel darf nicht unkritisch und bedenkenlos erfolgen.

Zubereitungen sollen in der Schwangerschaft, bei Bluthochdruck, bei schwerer Nierenfunktionsschwäche, bei einem niedrigen Kaliumgehalt im Blut, bei Leberzirrhose oder einer Lebererkrankung, die durch Gallenstauung entstanden ist, nicht zur Anwendung kommen.

Zu den Nebenwirkungen zählen, dass bei längerer Anwendung Wasser und Natrium stärker im Körper zurückgehalten werden, weiters Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme und in seltenen Fällen eine Rotfärbung des Urins.

Auf Wechselwirkungen sollte man achten, wenn man wassertreibende Arzneimittel nimmt, die Kalium reduzieren; gleichzeitig ist zu beachten, dass bei niedrigem Kaliumspiegel die Einnahme von Herzmitteln aus Digitalis sorgfältig abgestimmt sein muss.

 

Süßholz © Ernst Frühmann

Süßholz © Ernst Frühmann

ZUSAMMENFASSUNG

Das Süßholz ist eine Heilpflanze, die in warmen Regionen der nördlichen Halbkugel beheimatet ist. Die Wurzeldroge stammt praktisch ausschließlich aus Kulturen. Rund 400 Inhaltsstoffe sind bekannt; einige, wie das Glycyrrhizin, haben besonders große Bedeutung in der medizinischen Anwendung. Wurzeldroge, Extrakte und Wirkstoffe finden Verwendung bei Bronchialerkrankungen, entzündlichen Erkrankungen im Magen-, Darm- und Hautbereich oder bei viralen Erkrankungen. Durch das Glycyrrhizin (50x süßer als Zucker) ist Süßholz auch ein Süßungsmittel oder Geschmackskorrigens.

 
 

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