Westlicher Erdbeerbaum
Arbutus unedo L.
Im Mittelmeergebiet sind zwei Arten der Gattung Arbutus vorherrschend, die sich doch klar in einigen Punkten unterscheiden. Während der Östliche Erdbeerbaum (A. andrachne L.) im Gebiet östlich von Griechenland in den Macchien wächst, eine glatte Rinde, ganzrandige Blätter, andere Blühzeiten hat und seine Verwendung auch unterschiedlich war, wendet sich dieser folgende Artikel der Art Arbutus unedo L. zu. Die Erfahrungen in der Volksmedizin stützen sich auf diese Art und das Vorkommen erstreckt sich auf ein Gebiet mehrerer Staaten im westlichen Mittelmeerraum.
Der Westliche Erdbeerbaum war über mehr als 2000 Jahre eine bekannte Pflanze in der Volksmedizin, er war berühmt genug, dass er z.B. im Wappen der Stadt Madrid oder anderer Städte aufscheint und wurde dank seiner grünen Blätter, der weißen Blüten und roten Früchte zu einem nationalen Symbol Italiens mit diesen drei Farben, die sich in der Flagge wiederfinden.
Carl v. Linné gab im Jahr 1753 dieser Heilpflanze den auch heute noch gültigen Namen; zur gleichen Zeit bezeichnete er die Bärentraube, deren Blätter ebenfalls einen hohen Gehalt an Arbutin besitzen und gleichwertig zur Behandlung von Harnwegsentzündungen Anwendung finden, als Arbutus uva-ursi in der gleichen Gattung. 1825 stellte dann der Botaniker Karl Sprengel die Bärentraube in die – auch heute gültige – Gattung Arctostaphylos.

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann
Volksmedizinische Anwendung
Bisher vorliegende Untersuchungen mit Extrakten aus den Blättern des Erdbeerbaumes im Labor oder an Lebewesen zeigen Wirkungen, die wir aus den Erfahrungen der Volksmedizin kennen. Derzeit fehlen aber noch ausreichend umfangreiche wissenschaftliche Studien zur Anerkennung dieser Ergebnisse.
Vergleicht man die Wirksamkeit der Erdbeerbaumblätter mit jener der Bärentraubenblätter, dann zeigten Erfahrungen, dass bei der Behandlung von Entzündungen der Harnwege ähnlich gute Wirkungen erzielt werden konnten. Ein Problem besteht aber darin, dass der Gehalt an Arbutin bei den Erdbeerbaumblättern wesentlich geringer ist und eine Erhöhung der Dosierung begrenzt ist, weil durch den deutlich erhöhten Gerbstoffgehalt die Magenunverträglichkeit des Extrakts gefördert wird. Zusätzlich hat man herausgefunden, dass Blattextrakte nur dann wirksam sind, wenn das Arbutin aufgespalten wird und dadurch eine antibakterielle, mikrobielle Wirksamkeit gegen einige Keime entsteht. Zur Bekämpfung von Entzündungen konnte man nachweisen, dass phenolische Verbindungen mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften beteiligt sind.
Durch die Anwesenheit von hydrolysierbaren und kondensierten Gerbstoffen in den Blattextrakten steht fest, dass die zusammenziehende (adstringierende) Wirkung dieser Stoffe bei Durchfallerkrankungen und als Gurgellösung bei entzündeten Schleimhäuten in Mund und Rachen berechtigt zur Anwendung kommt.
Bezüglich der im Labor positiven Erkenntnisse zur Wirkung der Blattextrakte auf das Herz-Kreislaufsystem und deren Auswirkungen auf Gefäße und bei erhöhtem Blutdruck gibt es gute Ansätze; aber es fehlen klinische Ergebnisse.

Westlicher Erdbeerbaum © Ernst Frühmann
Zusammenfassung
Der immergrüne Westliche Erdbeerbaum ist im Mittelmeerraum bevorzugt in den Ländern und auf den Inseln westlich von Griechenland zu finden. Die reifen roten Früchte sind mit Vorsicht zu genießen, aber die Blätter werden seit über zwei Jahrtausenden in der Volksmedizin angewendet. Wirkstoffe wie Arbutin, Gerbstoffe, Flavonoide und andere sind bewährte Mittel bei Entzündungen der Harnwege, helfen aber auch bei Durchfallerkrankungen und bei Entzündungen in Hals und Rachen. Zudem sollen auch positive Wirkungen auf das Herz- Kreislaufsystem möglich sein.




