Tollkirsche

Atropa belladonna L.

Eine beachtliche Anzahl von Arzneipflanzen zählen zu den Giftpflanzen. Diese werden aufgrund ihrer Wirkstoffe – oft sind es Alkaloide oder Glykoside – den stark wirksamen Arzneipflanzen zugeordnet und sind daher für eine Selbstmedikation ungeeignet. Einzelne Wirkstoffe dieser Pflanzen haben in der Medizin große Bedeutung erlangt, aber gerade bei den Giftpflanzen liegt das Wohl der Menschen in der Wahl der richtigen Dosis. Eine große Gefahr liegt auch darin, dass viele dieser Giftstoffe gut wasserlöslich sind.

Das Erkennen dieser Giftpflanzen in der Natur ist von großem Nutzen, ereignen sich doch bedauerlicherweise beim Sammeln von Wildkräutern immer wieder Verwechslungen, die zu Vergiftungserscheinungen, auch mit tödlichem Ausgang, geführt haben. Leuchtend gefärbte oder glänzende Beeren dieser giftigen Pflanzen sind eine ernst zu nehmende Gefahr für die Kinder.

Tollkirsche © Ernst Frühmann

Tollkirsche © Ernst Frühmann

Die vier wichtigsten Vergiftungssymptome nach einer Einnahme von Pflanzenteilen der Tollkirsche sind:

- Rötung des Gesichts
- Trockenheit der Schleimhäute
- Pulsbeschleunigung
- Pupillenerweiterung

Größere Mengen von Atropin äußern sich in starker motorischer Unruhe, Rededrang, Halluzinationen usw. Noch höhere Dosen wirken zentral lähmend mit der Gefahr des Atemstillstandes. Lebensbedrohend gelten für Erwachsene 10 bis 20 Beeren, für Kinder – je nach Alter – 3 bis 5 Beeren. Bei Vergiftungserscheinungen sind umgehend Gegenmaßnahmen zu ergreifen wie Erbrechen, Gabe von Aktivkohle und ein Arzt zu holen!!

Die Vergiftungsinformationszentrale ist für Informationen rund um die Uhr unter der folgender Tel.Nr. erreichbar: +43 1 406 4343

Anwendung in der Medizin

Die Stärke der Alkaloide als Wirkstoffe und der unterschiedliche Gehalt an Wirkstoffen erfordert die Verwendung genau dosierter Arzneimittel oder eingestellter Extrakte oder Pulver aus der Wurzel oder aus den Blättern. Zusätzlich sind die maximale Einzeldosis und die maximale Tagesdosis strikt zu beachten.

Durch die krampflösenden Eigenschaften kann die Tollkirsche bei Krämpfen oder bei kolikartigen Schmerzen im Gastrointestinaltrakt (gesamten Verdauungstrakt) einschließlich der Gallenwege zum Einsatz kommen. Dies gilt auch für Koliken im Magen bei Magengeschwüren mit dem Vorteil, dass Extrakte aus der Tollkirsche zusätzlich die Sekretion im Magen beschränken. Dabei ist es denkbar die günstige Wirkung eines Kamillentees durch die Zugabe von 5 Tropfen Belladonna Tinktur deutlich zu steigern.

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Belladonna-Extrakten bei der Dysmenorrhoe, den krampfartigen Schmerzen bei Regelbeschwerden.

In der Augenheilkunde war das Atropin in Form von Augentropfen das am besten geeignete Mittel für Augenärzte zur Erweiterung der Pupillen bei Augenuntersuchungen.

Anwendung in der Homöopathie

Homöopathische Arzneimittel aus Atropa belladonna werden erfolgreich im Bereich fieberhafter Erkrankungen in verschiedenen Potenzen und Darreichungsformen eingesetzt, immer dann, wenn Hitze und Schwitzen vorliegen oder hochrote Mandeln zu behandeln sind.

Tollkirsche © Ernst Frühmann

Tollkirsche © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Tollkirsche ist in weiten Teilen Europas heimisch und zählt zu den bedeutenden Giftpflanzen unserer Heimat. Der Gehalt an Alkaloiden schwankt zwischen 0,3 und 1,2 Prozent. Die giftigen Alkaloide werden aus den Wurzeln, Blättern oder Zweigspitzen gewonnen.

Richtig dosiert können Extrakte in verschiedenen Indikationen zur Anwendung kommen. In der Homöopathie ist Atropa belladonna ein wichtiges Arzneimittel.

Bei Vergiftungen sind möglichst rasch Erstmaßnahmen zu treffen und ein Arzt zu verständigen.

 

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