Schlafmohn

Papaver somniferum L.

Die Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) umfasst etwa 120 Arten. Einige Arten sind uns besonders vertraut. Dazu gehören der leuchtend rote Klatschmohn an Wegrändern oder in Getreidefeldern, die weiß oder gelb blühenden Mohnarten in den Alpenregionen Mitteleuropas und der in Gärten wachsende, milchsaftführende Riesenmohn mit seinen großen zinnoberroten Blüten.

Für die medizinische Anwendung – aber leider auch zur missbräuchlichen Verwendung als Suchtmittel – dienen verschiedene Varietäten des Schlafmohns seit einigen tausend Jahren. Kaum eine andere Pflanze hat in verschiedenen Kulturkreisen eine derart große Rolle als Heilmittel, aber auch wegen seiner rauscherregenden Wirkung gespielt.

Die Bedeutung der Mohnpflanze animierte schon Künstler der Antike zu Darstellungen der Mohnkapseln in Verbindung mit Gottheiten. Aus der Zeit der Pharaonen sind goldene Mohnkapseln als Ohrgehänge bekannt; die Griechen bildeten Mohn auf Münzen ab. Der Mohn ist auch in dem im Jahre 512 entstandenen Wiener Dioskurides vertreten.

Auch gotische Tafelgemälde des späten Mittelalters zeigen Darstellungen dieser auch in dieser Epoche geschätzten Gift- und Heilpflanze.

Schlafmohn © Ernst Frühmann

Schlafmohn © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Entscheidend für den Einsatz der Alkaloide aus dem Schlafmohn ist die therapeutische Notwendigkeit, die einzig allein ein Arzt zu treffen hat.

Einerseits steht der Gesamtextrakt aus dem Milchsaft der Mohnkapsel in Form der Opiumtinktur zur Verfügung. Mit Hilfe dieser Tinktur können sehr starke Durchfallerkrankungen gestoppt werden. Aus der Statistik kann man entnehmen, dass der Einsatz dieses Arzneimittels stark zurückgegangen ist im Vergleich zu früheren Zeiten.

Andererseits werden Morphin und Codein als Reinsubstanzen aus dem Opium oder dem Mohnstroh gewonnen und dann in verschiedenen Indikationen angewendet. Das vorwiegend stark schmerzstillende Morphin bzw. deren modernere Abkömmlinge werden bei starken traumatischen, postoperativen oder Tumorschmerzen eingesetzt. Das Codein wird vorwiegend als Hustenstiller verwendet, wenn z.B. Reizhusten ohne Schleimbildung vorliegt, auf den andere Antitussiva nicht ansprechen. Das Codein kann aber auch als Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Bleibt noch das Noscapin als Antitussivum, dem im Gegensatz zum Codein atemdepressive, obstipierende und auch schmerzstillende Eigenschaften fehlen. Alle anderen der etwa 40 Alkaloide im Opium sind von deutlich geringerer Bedeutung, wenn auch das früher eingesetzte Papaverin noch erwähnt werden soll.

 

Unerwünschte Wirkungen und Sucht- bzw. Giftwirkung

Für Personen, die mit Opium hantieren, besteht die Möglichkeit einer Kontaktdermatitis. Eine allergische Reaktion nach Morphingabe wird sehr selten beobachtet.

Eine wesentliche Eigenschaft der Extrakte oder der Reinsubstanzen aus dem Mohn ist ihr Abhängigkeitspotential. Es gibt sowohl eine psychische als auch eine physische Abhängigkeit. Erstere hält nach langer Gabe auch lange an und kann unter Umständen lebenslang sein. Auch die Rückfallquote ist beträchtlich. Die körperlichen Symptome äußern sich bei Entzug durch Schüttelfrost, vegetative Störungen, wie Anstieg des systolischen Blutdruckes, erhöhte Herzfrequenz und eine erhöhte Schleimhautsekretion; Muskelkrämpfe und Angstzustände runden das Bild der Entzugsproblematik ab.

Die Giftwirkung ist davon abhängig, ob die Zubereitungen oral (über den Mund und die Magen-Darm-Passage) oder parenteral (als Injektion) verabreicht werden. Gegenüber Morphin oder Heroin – als Injektion verabreicht – reagiert der Körper unterschiedlich, sowohl was den Zeitpunkt als auch die Intensität betrifft. Der Gesamtextrakt des Opiums oral gegeben verhält sich durch inaktive, gummiartige Substanzen, die die Resorption verzögern, oder weitere Alkaloide wie Papaverin oder Thebain vollkommen anders.

Die akute Toxizität zeigt sich in einer Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit, einer Sedierung (Dämpfung der Funktion des Zentralnervensystems) und verlangsamt die Atmung bis zur Atemlähmung; es kommt auch zu Übelkeit und Erbrechen.

2 – 3 Gramm Opium können für einen gesunden Erwachsenen tödlich sein. Neben der akuten ist auch die chronische Toxizität zu beachten. Sie drückt sich als Folge von Morphinmissbrauch in Gereiztheit, engen Pupillen, Abmagerung, Koordinationsstörungen, Impotenz, geistigem und körperlichem Verfall aus. Bei plötzlichem Entzug kommt es zu dramatischen Abstinenzerscheinungen.

Zusätzliche Giftwirkung äußert sich bei Rauchern von Opiumzubereitungen durch Mutagene, die als Risikofaktoren für die Entstehung von Speiseröhren- und Blasenkrebs gewertet werden.

Bei ordnungsgemäßer Einnahme von Zubereitungen, die vom Arzt verordnet wurden, sollten Vergiftungserscheinungen ausgeschlossen werden. Bei Einnahme zu großer Mengen ist sofort der Arzt zu holen oder ein Krankenhaus aufzusuchen, um notwendige Gegenmaßnahmen rechtzeitig setzen zu können.

Schlafmohn © Ernst Frühmann

Schlafmohn © Ernst Frühmann

 

Zusammenfassung

Der Schlafmohn ist in Europa und Asien als verwilderte Pflanze zu finden. Als Kulturpflanze dient sie über das Opium zur Gewinnung wichtiger Alkaloide wie Morphin oder Codein zur Schmerzbehandlung oder Stillung von Hustenreiz. Durch die Entwicklung modernster Technologien konnten Morphinpräparate auf den Markt gebracht werden, bei denen das Abhängigkeitspotential wesentlich verringert wurde; es stehen damit wichtige Schmerzmittel zur Bekämpfung starker Schmerzen zur Verfügung. Auch das missbräuchlich verwendete Heroin wird aus Opium gewonnen.

Die Samen des Mohns (praktisch opiatfrei) sind nach wie vor als Lebensmittel für die Zubereitung köstlicher Speisen in Verwendung.

 

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