Meisterwurz

Peucedanum ostruthium (L.) W.D.J. Koch

(Früher: Imperatoria ostruthium L.)

Wer in den Alpen wandernd unterwegs ist und offene Augen für die Heilpflanzen in der Natur hat, der wird sicher oft bemerkt haben, dass die Meisterwurz von etwas über 1000 Metern Seehöhe bis zur Waldgrenze ein häufiger Begleiter am Wegesrand ist. Die Menschen der Alpenregion haben die Heilkräfte dieser aromatisch-bitter schmeckenden Heilpflanze vor langer Zeit erkannt und ab dem Mittelalter wurde ihre vielfältige Wirkung in höchsten Tönen gelobt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie auch Kaiserwurzel genannt wurde und sogar als göttliches Allheilmittel (Remedium divinum) tituliert wurde.

Der Wert der heilkräftigen Wurzel war im vergangenen Jahrtausend so hoch, dass man dafür ähnlich viel bezahlen musste, wie für Arnika, Enzian oder andere wichtige und begehrte Heilkräuter. Für das Graben der Wurzeln musste man eine Lizenz besitzen.

Die fehlende wissenschaftliche Anerkennung führte dazu, dass deren Verwendung im Vergleich zu den letzten Jahrhunderten deutlich abgenommen hat. Neuere Studien zur Wirksamkeit zeigen aber, dass die in der Volksmedizin beanspruchten Indikationsgebiete in wesentlichen Teilen berechtigt sein dürften.

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Meisterwurz © Ernst Frühmann

 

ANwendung in der Volksmedizin

Die umfangreiche Anwendung der Meisterwurz beruht auf Erfahrungen, die in den letzten Jahrhunderten gemacht wurden. Sie wurde eingesetzt bei verschiedenen Erkrankungen im Bronchialbereich wie bei Verschleimung der Atemwege, sowohl innerlich als Tee als auch äußerlich zur Inhalation. Eines der Hauptanwendungsgebiete war der Bereich der Erkrankungen im Verdauungstrakt. Dazu gehörten Appetitlosigkeit, Magenverstimmungen, Blähungen und Magenkrämpfe. Häufig findet man auch die Verwendung als Gicht- oder Rheumamittel und die Meisterwurz ist als Wasser treibendes oder Schweiß absonderndes Mittel beschrieben. Gerne gab man sie als Fiebermittel, zur Steigerung der Abwehrkräfte des Körpers, zur Behebung von Schwächezuständen bei älteren Menschen, auch als Gegenmittel bei Vergiftungserscheinungen und nicht zuletzt als Potenz förderndes Stärkungsmittel.

Eine Anwendung bei Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhäute und bei Gallensteinen sollte vermieden werden.

 

Bewährte zubereitungen aus der Meisterwurz:

Tee: 2 Teelöffel des getrockneten Wurzelstocks werden mit 250 Milliliter kaltem Wasser angesetzt und bis zum Kochen erhitzt; man lässt 10 Minuten zugedeckt ziehen; nach dem Abseihen trinkt man zweimal täglich den angenehm warmen Tee.

Herzwein: Schon die Hl. Hildegard von Bingen setzte die Meisterwurz als Wein-Zubereitung zur Stärkung von Herz und Kreislauf ein. In Kombination mit Petersilienkraut soll es auch zu einer leichten Senkung des Blutdrucks kommen.

Bronchialöl: bei Atemwegserkrankungen kann eine 20-prozentige Ölzubereitung ein wertvolles, äußerlich angewendetes Arzneimittel sein.

Verdauungsförderung: Entweder Speisen mit Meisterwurzblättern würzen oder mit Meisterwurzlikör die Produktion von Verdauungssäften fördern um dadurch fette Speisen besser zu verdauen.

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Meisterwurz © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Meisterwurz ist eine mehrjährige Heilpflanze, auf die man im alpinen Bereich über 1000 Meter Seehöhe trifft. Sie war in den letzten 400 Jahren des zweiten Jahrtausends eine äußerst beliebte und geschätzte Heilpflanze; sie wurde in dieser Zeit von vielen Ärzten als Allheilmittel angesehen.

Aufgrund ihrer Wirk-/Inhaltsstoffe, dem ätherischen Öl, den Bitterstoffen und den Cumarinen gilt sie als aromatisches Bittermittel; sie wird und wurde in der Volksmedizin bei Atemwegserkrankungen, Problemen im Verdauungstrakt, bei Fieber- oder Schwächezuständen und zur Umstimmung des Stoffwechsels mit guten Erfolgen eingesetzt.

 

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