Mariendistel

Silybum marianum (L.) Gaertn.

In älterer Literatur findet man noch Carduus marianus L. als lateinischen Namen für die Mariendistel. Carduus war bei den Römern die Bezeichnung für eine Distelart; der lateinische Beiname marianus ist erhalten geblieben und weist auch im deutschen Namen auf jene Legende hin, die besagt, dass die weißen Streifen auf den Blättern der Mariendistel von einem Tropfen der Milch der Muttergottes stammen, der beim Stillen des Jesuskindes auf den Boden gefallen ist. Auch in anderen Sprachen findet diese Legende in den Bezeichnungen für diese Pflanze ihren Niederschlag.

Mariendistel © Ernst Frühmann

Mariendistel © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Silymarin wird zur Vorbeugung und Therapie toxischer Leberschäden verwendet, die z.B. durch Alkohol oder Gewerbegifte ausgelöst worden sind. Außerdem unterstützt es die Regeneration der Leberzellen bei Leberzirrhose, bei Fettleber oder nach Hepatitiserkrankungen.

Bei Vergiftungen mit dem tödlichen Gift des Knollenblätterpilzes – er wird leider immer wieder mit dem wohlschmeckenden Parasol verwechselt – ist eine rechtzeitige parenterale Gabe von Silibinin, einem Wirkstoff aus dem Silymarinkomplex, die einzige Chance, einen Patienten zu retten. Es wurde festgestellt, dass der Transport der tödlichen Gifte (Phalloidin und α-Amanitin) dadurch gehemmt wird.

Eine Teezubereitung der Mariendistelfrüchte allein ist wenig gebräuchlich, da das Silymarin schlecht wasserlöslich ist; öfter werden die Früchte in Teemischungen zur Unterstützung bei Leber- Galleerkrankungen verwendet.

Bei der Herstellung alkoholischer Auszüge ist der Anteil der wirksamen Bestandteile wesentlich höher als im Tee; daher sind Tinkturen schon recht gut geeignet zur Behandlung von Gallenbeschwerden, wenn gallentreibende oder krampflösende Wirkungen notwendig sind.

Für einen therapeutischen Nutzen ist einem Präparat mit standardisiertem Silymaringehalt der Vorzug zu geben. Hier ist der wirksame Bestandteil in einer definierten Menge – 70 bis 140 Milligramm – vorhanden. Zahlreiche Präparate stehen zur Verfügung.

Die Teezubereitung kann auf zwei Arten erfolgen.

3 g (= 1 Teelöffel) der zerquetschten Früchte werden mit kochendem Wasser übergossen und 10 bis 30 Minuten ziehen gelassen; dann seiht man ab und trinkt 3 bis 4 mal täglich eine Tasse frisch bereiteten Tee.

Man kann die zerquetschten Früchte auch kalt ansetzen und dann kurz aufkochen, kurze Zeit stehen lassen und dann abseihen.

Beide Zubereitungen enthalten nur geringe Anteile des Sylimarinkomplexes; sie sind aber eventuell geeignet bei dyspeptischen Beschwerden.

Bessere Variante: 20 Gramm Früchte werden stark zerkleinert, man lässt lange kochen (etwa 10 Minuten), seiht ab und trinkt den Tee warm.

In der Homöopathie werden Zubereitungen aus den Mariendistelfrüchten ebenfalls für Leber– und Gallenerkrankungen gegeben, aber auch bei Hämorrhoiden und Krampfadern.

Mariendistel © Ernst Frühmann

Mariendistel © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Mariendistel ist eine stattliche Pflanze, deren Heimat im Mittelmeerraum und anderen Regionen liegt. Sie lässt sich auch in Mitteleuropa gut kultivieren.

Als Heilpflanze ist sie seit mehr als 2000 Jahren bekannt. Ihre Bedeutung ist mit der modernen Forschung des letzten Jahrhunderts gekoppelt; ihr Wert als Lebermittel ist wissenschaftlich anerkannt und so ist sie heute die Ausgangspflanze für zahlreiche Präparate zur Prophylaxe und Therapie von Leber– und Gallenerkrankungen. Der Sylimarin-Komplex, der in der Fruchtwand komprimiert vorliegt, ist der wertvollste Teil der Wirkstoffe.

 

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