Große Kapuzinerkresse

Tropaeolum  majus L.

Seit einigen Jahrhunderten fasziniert die Kapuzinerkresse Menschen in Europa aus unterschiedlichen Gründen. Eine große Gruppe schätzt die Kapuzinerkresse wegen ihres Potentials als Heilpflanze; zunächst in der Volksheilkunde und seit einigen Jahrzehnten, nach Aufklärung der Wirkungen der Glucosinolate, auch als Arzneipflanze zur Behandlung von Erkältungserkrankungen oder Entzündungen im Bereich der Harnwege. Viele Menschen begeistert die Kapuzinerkresse wegen ihres Geschmacks und verwenden sie daher zum Würzen verschiedener Gerichte; und andere Menschen erfreuen sich ganz einfach an der Schönheit der exotisch aussehenden gelben bis orangeroten Blüten zur Verzierung von Speisen oder als Farbtupfen im eigenen Garten oder als Topfpflanze am Balkon.

Auf den ersten Blick ist die Kapuzinerkresse, die im Jahr 2013 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt wurde, deutlich weniger bekannt als Arzneipflanzen wie die Rosskastanie, die Kamille, der Efeu und andere, die auf diese Weise ausgezeichnet wurden. Die Anwendung als Tee ist eher ungebräuchlich, aber als Frischpflanze oder in Fertigprodukten können die Wirkstoffe in einigen Indikationen Wirkungen entfalten, die es sinnvoll erscheinen lassen, die Kapuzinerkresse als Heilmittel einzusetzen.

Heute lesen wir oft zur Charakterisierung der Kapuzinerkresse: „Die Antibiotika-Pflanze“ oder „Alternative zu Antibiotika“ und „Kapuzinerkresse kann sogar Antibiotika ersetzen“. Bleiben wir am Boden der wissenschaftlich fundierten Realität und akzeptieren wir, dass Wirkstoffe in der Kapuzinerkresse eine sinnvolle Alternative bei der Behandlung von Harnwegs- oder Atemwegsinfekten sein können.

Kapuzinerkresse © Ernst Frühmann

Kapuzinerkresse © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Frischpflanzenextrakte – aus Blättern und Blüten – sich sehr gut für die rechtzeitige Behandlung bei beginnenden Infektionen eignen. Gute Erfahrungen gibt es bei der Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfekten. Dabei zeigen Studien, dass es durchaus sinnvoll ist, die Kapuzinerkresse statt der bisher oft verwendeten Drogen – Bärentraubenblätter oder Preiselbeerblätter – anzuwenden. Studien bei rezidivierenden Harnwegsinfekten haben ergeben, dass die Kombination der Extrakte aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Rückfallzahlen bei wiederkehrenden Blasenentzündungen sehr deutlich gesenkt haben. Bei Entzündungen im Bereich der Atemwege gibt es auch sehr positive Berichte. In der Kombination mit Meerrettichwurzel hat man bei guter Verträglichkeit mit einem Fertigprodukt (Angocin®) sehr gute Erfahrungen bei der Behandlung von Nebenhöhlenerkrankungen, Bronchitis und Blasenentzündungen gemacht.

Bei einer Einnahme der frischen Blätter der Kapuzinerkresse werden die Isothiocyanate als Wirkstoffe am schnellsten durch die vorhandenen Enzyme (Myrosinase) freigesetzt.

Nebenwirkungen treten selten auf. Bei sehr empfindlichen Personen kann es durch das Senföl zu einer leichten Reizung der Schleimhäute im Magen- oder Darmbereich kommen. Durch die Einnahme nach dem Essen sollten diese Beschwerden zu vermeiden sein. Vorsicht ist auch angeraten bei Magen- oder Darmgeschwüren.

Kapuzinerkresse © Ernst Frühmann

Kapuzinerkresse © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die begrenzte Auswahl an Fertigprodukten, die Kapuzinerkresse enthalten und die Verwendung dieser Heilpflanze als Frischpflanze, führen zu einer geringeren Anwendungshäufigkeit, da zusätzlich eine Anwendung als Tee mit getrockneten Pflanzenteilen eher unüblich ist.

Dennoch hat die Kapuzinerkresse ihre Stärken, wenn es darum geht, eine unkomplizierte oder rezidivierende Harnwegsinfektion und Entzündungen der Atemwege zu behandeln, wo ein Antibiotikum noch nicht unbedingt notwendig ist, aber durch die Wirkstoffe der Kapuzinerkresse – auch in Kombination mit Meerrettich – eine Reduzierung der Keimzahl oder auch Biofilmbildung bei Bakterien durch die Hemmwirkung der Senföle auf Keime erwartet werden kann.

 

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