Gemeiner Liguster
Ligustrum vulgare L.
Jedem, der den Liguster kennt, wird aufgefallen sein, dass wir dieser Pflanze sehr oft begegnen. Wegen seines dichten Wuchses wird der Liguster sehr gerne als Heckenpflanze oder Sichtschutz gepflanzt. Denkt man an das saftige Grün der zahlreichen Blätter oder an seine fein duftenden Blüten, kann man seine Beliebtheit verstehen. Weniger begeistern seine dunkelblau-schwarzen Früchte, die auch oft als giftig beschrieben werden.
Während der Liguster in den wissenschaftlichen Nachschlagewerken kaum Erwähnung findet, ist seine Verwendung in der Volksmedizin doch auch dokumentiert und neuere Literatur bezeichnet ihn als vergessene Heilpflanze und stützt sich dabei auf seine in der Volksmedizin anerkannte Wirksamkeit und die Wirkungsweise der Inhaltsstoffe.
Analysiert man weitere Namen, die man dem Liguster gegeben hat, kann man eine vielseitige Verwendung in der Volksmedizin, im Handwerk als Werkstoff oder über den Standort herauslesen. Im Ligustrum steckt das Wort ligare, das anzeigt, dass seine biegsamen, festen Zweige zum Binden von Flechtwaren Verwendung fanden. Das harte Holz eignete sich für Holznägel und beim Dachausbau, daher Kehlholz genannt; der dunklen Früchte wegen kam es zur Bezeichnung Tintenbeerstrauch. Rainweide, Zaunriegel, Bein- oder Heckholz stehen für seine Standorte und Faulholz oder Mundholz deuteten auf seine volksmedizinische Anwendung.

Gemeiner Liguster © Ernst Frühmann
Volksmedizinische Anwendung
Zu den Anwendungsgebieten zählen in der Volksmedizin jene Bereiche, die wir aus der Geschichte bereits kennengelernt haben. Berücksichtigt man die medizinisch belegten Erfahrungen mit dem Oleuropein und seinem Abbauprodukt Hydroxytyrosol aus den Olivenblättern, dann darf man annehmen, dass es sinnvoll und gerechtfertigt ist, die Blattextrakte des Gemeinen Ligusters in der Wundbehandlung oder bei Entzündungen im Mund- und Halsbereich einzusetzen.
Anwendung in der TCM
Die Früchte des Glänzenden Ligusters (Ligustrum lucidum) werden in der TCM zur Stärkung des Yin von Leber und Niere eingesetzt, das Immunsystem zu unterstützen und die Sehkraft zu verbessern. Im Vergleich zu dieser Anwendung einer anderen Ligusterart in der TCM gibt es für den, bei uns heimischen, Gemeinen Liguster keine Erfahrungen für eine gesicherte Anwendung ohne Nebenwirkungen.
Ist die Vergiftungsgefahr real?
Obwohl die Früchte vom Liguster in der Volksmeinung als giftig hingestellt wurden, wird dies von Wissenschaftlern heute nicht bestätigt. In der Literatur wird ein Todesfall bei einem Kleinkind nach angeblichem Verzehr von Ligusterfrüchten beschrieben, wobei die Anzahl der Früchte fehlte und andere Widersprüche die Glaubwürdigkeit minderten. Weitere Berichte bei Kindern zeigen beim Verschlucken mehrerer Beeren Erbrechen, Krämpfe oder Durchfall. Vermutlich liegt es eher an der oft schlechten Verträglichkeit der Früchte, die sich mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Krämpfen äußern kann und daran, dass ähnliche Unverträglichkeiten bei Tieren auf eine Giftwirkung der Früchte zurückgeführt wurden. Zusätzlich beschreibt die Literatur, dass Ligusterfrüchte mit Kreuzdornfrüchten verwechselt wurden und deren stark abführende Wirkung ja bekannt ist.
Für Eltern kann zusammengefasst gesagt werden, dass für Kinder immer die bewährte Regel gelten soll: Kein Verzehr unbekannter Früchte und wenn Kinder unbeaufsichtigt unbekannte Früchte gegessen haben und Beschwerden auftreten: Vergiftungszentrale anrufen!

Gemeiner Liguster © Ernst Frühmann
Zusammenfassung
Gesichert wird der gemeine Liguster schon über mehr als ein halbes Jahrtausend mit Extrakten aus den Blättern in der Volksmedizin – besonders im Mittelmeerraum – als Heilmittel eingesetzt. Bevorzugt bewährt haben sich Blattextrakte bei Entzündungen im Mund, Rachen und Halsbereich. Während Blattextrakte als gut verträglich eingestuft werden, sind bei der Einnahme von Früchten Unverträglichkeiten zu erwarten. Eine eindeutige Giftwirkung der Früchte ist nicht dokumentiert. Eventuell kann es bei intensivem Kontakt mit Ligusterblättern beim Schneiden der Büsche oder Hecken zu Hautreizungen kommen.




