Gelber Enzian

Gentiana lutea L. und Unterarten

Obwohl die prächtigen, dunkelblauen Enzian-Arten (Alpen-Enzian, Clusius' Enzian oder Kochscher Enzian) in den Alpen für viele Pflanzenfreunde der Inbegriff des Enzians sind und auf Schnäpsen und Lebensmitteln abgebildet werden, ist der Gelbe Enzian die Leitpflanze in der Verwendung der Enzianarten als Heilpflanze. Neben dem Gelben Enzian finden wir noch fast 40 Enzianarten in den Alpen, weltweit sind es rund 400 Arten.

Die Enzianarten mit ihren Bitterstoffen waren nicht nur in Arzneien beliebt; sie sind und waren auch Bestandteil verschiedener Kräuterliköre und Schnäpse, die vor oder nach dem Essen – als Aperitif oder als Digestiv – gereicht werden. Daher kam es auch zu einer Gefährdung verschiedener Enzianarten; mit dem Gelben Enzian waren der Getüpfelte Enzian, der Purpur-Enzian, der Pannonische oder Ostalpen-Enzian und der Schwalbenwurz-Enzian in den Arzneibüchern. Der hohe Bedarf machte es notwendig, diese Pflanzen unter Schutz zu stellen. Seitdem es aber gelungen ist, den Gelben Enzian im Feldanbau zu kultivieren und die „Ernte“ in der Natur zu reglementieren, ist es zur Erholung der natürlichen Bestände in den Alpen und den anderen Standorten in Europa gekommen.

Gelber Enzian © Ernst Frühmann

Gelber Enzian © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

In drei Bereichen haben sich Extrakte aus Enzianwurzeln gut bewährt. Zunächst wirken die Bitterstoffe in passender Konzentration gut bei Appetitlosigkeit. Daher findet man die Enzianwurzel auch in verschiedenen flüssigen Stärkungsmitteln. Weiters eignen sich Extrakte zur Behandlung von dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit oder Druck und Schmerzen im Oberbauch. Darüber hinaus sind Enzianwurzelextrakte in einem kombinierten Arzneimittel mit Eisenkraut, Schlüsselblume, Holunder und Sauerampfer zur Verbesserung der Sekretolyse und zum Verdünnen von zähem Schleim bei Infektionen im Nasen-, Nebenhöhlen- und Rachenraum.

Enzianschnaps

Das Brennen von Enzianschnäpsen war ursprünglich ein Privileg der Klöster. Seit einigen Jahrhunderten wird Enzianschnaps von Betrieben mit Brenngenehmigung erzeugt. Der hohe Bedarf an Wurzeln kann nicht durch Wildsammlung allein abgedeckt werden, daher hat der feldmäßige Anbau zu einer Erholung der Vorkommen in der Natur geführt. Die doppelt gebrannten Schnäpse schmecken kaum bitter.

Der Bedarf an Enzianwurzeln zur Herstellung von Arzneimitteln und Schnäpsen beträgt 6000 t frische Wurzeln pro Jahr.

Nebenwirkungen:

Bittermittel sollen nur über kürzere Zeiträume eingenommen werden.

Als Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Ekelgefühl oder Brechreiz auftreten.

Zu hohe Bitterstoffkonzentrationen können auch das Gegenteil bewirken: es kommt zur Appetithemmung und Sekretionsbeschränkung.

Gegenanzeigen:

Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren wegen der Sekretionsförderung.

Tee-Herstellung:

2 – 4 g der getrockneten Enzianwurzel werden mit kochendem Wasser übergossen, man lässt 5 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt den Tee mäßig warm.

Der Tee kann auch als Kaltauszug (Mazerat) hergestellt werden; dafür wird obige Menge mit kaltem Wasser übergossen, man lässt 8 – 10 Stunden ziehen, erwärmt kurz und seiht ab.

Zur Appetitanregung wird der Tee eine halbe Stunde vor dem Essen getrunken, zur Verbesserung der Verdauung nach dem Essen.

Gelber Enzian © Ernst Frühmann

Gelber Enzian © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Der Gelbe Enzian gehört zu den in der Natur geschützten Pflanzen. Er wird auch feldmäßig angebaut.

Extrakte aus den Wurzeln werden bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden und in pflanzlichen und homöopathischen Arzneimitteln zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und deren Symptomen verwendet.

Das Amarogentin ist der intensivste Bitterstoff mit einem Bitterwert von 58 Millionen.

Neben der arzneilichen Anwendung ist der Enzianschnaps ein seit vielen Jahrhunderten beliebtes Produkt aus dem Gelben Enzian.

 

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