Frauenmantel

Alchemilla vulgaris L. s.l. (Syn. A. xanthochlora Rothm.) 

In der Gattung Alchemilla gibt es recht viele Arten, die sich nur durch minimale Unterschiede voneinander trennen lassen – einige Alchemilla-Arten unterscheiden sich aber doch deutlich. Alleine in Deutschland sind über 50 Arten beschrieben. Verschiedene Botaniker, wie z.B. Werner Rothmaler – berühmt auch durch seine „Exkursionsflora“, haben sich intensiv mit dieser Gattung beschäftigt. Aus medizinischer Sicht kommen derzeit vorwiegend die Art A. vulgaris im weiteren Sinn (s.l.) zur Anwendung. Es gibt auch die Meinung in der Volksmedizin, die allerdings nicht wissenschaftlich fundiert ist, dass der Silbermantel – A. alpina – mindestens ebenso wirksam ist, weil er in höheren Regionen beheimatet ist. Aber auch dem Weichen Frauenmantel (A. mollis) werden ähnliche Wirksamkeiten – ohne wissenschaftlichen Beweis – zugeschrieben.

Die Form der Blätter, die an einen Mantel erinnert, gaben dieser Heilpflanze ihren deutschen Gattungsnamen. Aus diesem leiteten sich viele andere Namen ab, wie Muttergottesmäntelchen oder Jungfrauenmantel. Der lateinische Name lehnt sich vermutlich an den arabischen Namen der Alchemisten an. Der Umstand der Tropfenbildung an den Blatträndern und das Sammeln dieser Tropfen, aber auch von Regentropfen, in den trichterförmig angelegten Blättern führte zu Namen wie Sinnau, Taubecherl, Tauschüsseli, Taukräutel u.a.m. Diese „Tautropfen“, die oft Guttationstropfen sein können, wurden aber auch als „himmlisches Wasser“ gesehen, und besonders die Alchemisten nutzten dieses Wasser bei ihren Versuchen, den Stein der Weisen zu finden.

 

Frauenmantel © Ernst Frühmann

Frauenmantel © Ernst Frühmann

 

Anwendung in der Medizin

Bei der Anwendung von wässrigen oder alkoholischen Zubereitungen aus dem Frauenmantel kann man deutlich den unterschiedlichen Wert der Pflanze in der Schulmedizin und der Volksmedizin erkennen.

Die Gabe von Frauenmantel bei Durchfallerkrankungen wird auch derzeit anerkannt. Dauert die Erkrankung aber länger als 3–4 Tage, sollte ein Arzt die Entscheidung für eine zielführende Therapie treffen.

Zur Behandlung von Durchfallerkrankungen werden 2 Teelöffel Frauenmantelkraut mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergossen, man lässt rund 10 Minuten ziehen, seiht ab und trinkt davon bis zu 5 Tassen täglich.

Die Volksmedizin kennt für Frauenmantelzubereitungen ein breiteres Anwendungsspektrum. Neben der oben angesprochenen Anwendung kommen leichte Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Rachen. Empfohlen wird die Anwendung bei Wechselbeschwerden, zu starken Monatsblutungen und Magen–Darm–Problemen. Aber auch in Stoffwechseltees – ehemals Blutreinigungstees genannt – oder bei Hautproblemen z.B. in Kombination mit Quendel und Ackerstiefmütterchen wird diese Heilpflanze gerne angewendet.

Zur Behandlung von Wunden und Geschwüren wird auch die äußerliche Anwendung als Waschung oder als Badezusatz empfohlen. Eine Kombination mit Ringelblume, Kamille oder Arnika ist denkbar, aber die Allergiegefahr bei Korbblütlern ist zu beachten.

In der Volksmedizin gibt es auch Berichte über besonders gut verlaufende Geburten bei regelmäßiger Einnahme von einer Tasse Frauenmanteltee täglich in den letzten 1 – 3 Monaten vor der Geburt.

 

Gemeiner Frauenmantel © Ernst Frühmann

Gemeiner Frauenmantel © Ernst Frühmann

 

Zusammenfassung 

Schon die früheren Alchemisten sahen in dieser Pflanze aufgrund ihres Erscheinungsbildes und der morgendlichen Tau-/Guttationstropfen eine Besonderheit und hofften, mit ihrer Hilfe den Stein der Weisen zu finden.

Der Frauenmantel ist eine Heilpflanze, die in der Volksmedizin seit langem bei sogenannten „Frauenleiden“ und zur Wundbehandlung verwendet wird; die medizinische Verwendung bei Durchfallerkrankungen und leichten Entzündungen im Bereich von Schleimhäuten stützt sich auf die Wirkung der Gerbstoffe und Flavonoide.

Seit einiger Zeit wird auch die Schönheit der Pflanze von Floristen genützt; sie wird als schmückendes Beiwerk in Blumensträuße und Gestecke eingebunden.

 

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