Engelwurz

Angelica archangelica

Die Engelwurz zählt zu den wenigen Arzneipflanzen, die im Norden Europas beheimatet sind und sich vom Norden – Grönland und Island – durch das Anpflanzen in den mittelalterlichen Klostergärten im 14.Jh. Mitteleuropa zu ihrem Lebensraum gemacht hat. Seit rund 500 Jahren werden die Wirkungen dieser prächtigen und stattlichen Pflanze in Kräuterbüchern beschrieben. Der Bogen reicht von der Volksmedizin bis zur modernen Phytotherapie, vom Schutz vor einer Pesterkrankung bis zum Magentherapeutikum. Ihre vielfältige Anwendung in der Vergangenheit hat der Engelwurz auch viele weitere Namen eingebracht; so finden wir für sie Bezeichnungen wie Pestwurz, Theriakwurz, Brustwurz, Heiliggeistwurz, je nach ihrer bevorzugten Verwendung. Im Alpenraum finden wir oft die Wilde Engelwurz oder Waldengelwurz – Angelica sylvestris L. Sie erreicht zwar auch eine Höhe von mehr als einem Meter und ist damit ein attraktiver Doldenblütler in der Landschaft; diese Art hat aber in der medizinischen Anwendung heute keine Bedeutung.

Engelwurz © Ernst Frühmann

Engelwurz © Ernst Frühmann

Medizinische Verwendung

Aus diesen Wirkungen sind folgende Anwendungsgebiete für dieses aromatische Amarum (Bittermittel) abzuleiten: Appetitlosigkeit kann damit günstig beeinflusst werden; wenn dyspeptische Beschwerden und auch leichte Magen-Darm-Krämpfe vorliegen, können diese mit Zubereitungen aus der Wurzel der Engelwurz gut beseitigt werden. Oft werden Völlegefühl und Blähungen durch Stresssituationen ausgelöst, die ebenfalls auf diese Heilpflanze gut ansprechen.

Das ätherische Öl sollte in größeren Dosen nicht innerlich angewendet werden; äußerlich bewährt es sich in hautreizenden oder schmerzstillenden Einreibungen oder Bädern.

Zubereitungen

Zur Bereitung eines Tees wird ein Teelöffel (2 – 4g) Angelikawurzel mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 min. abgeseiht. Auch eine kurze Abkochung ist möglich. 2 – 3 x tgl. sollte eine Schale Tee mäßig warm eine halbe Stunde vor dem Essen getrunken werden.

Neben einer Teezubereitung sind auch Tinkturen oder Fluidextrakte aus der Engelwurz zur Behandlung der vorhin genannten Beschwerden im Verdauungstrakt gut geeignet.

In der Literatur findet man auch die Zubereitung eines Engelwurzweines.

Nebenwirkungen und Einschränkungen:

Bei Magen- und Darmgeschwüren darf die Wurzel nicht verwendet werden!

Ebenso sollte bedacht werden, daß die Furanocumarine in der Angelikawurzel die Haut lichtempfindlicher machen und damit zu Hautentzündungen führen können. Daher sollte auf ausgedehnte Sonnenbäder oder UV – Bestrahlungen bei einer längeren Einnahme von Engelwurztee oder Extrakten verzichtet werden. Durch die geringe Wasserlöslichkeit dieser Verbindungen ist beim Trinken von Tee jedoch selten mit derartigen Problemen zu rechnen.

Weitere Verwendung & Verarbeitung

Neben der arzneilichen Verwendung der Angelikawurzel wird diese auch in Kräuterschnäpsen, Likören und anderen Digestiva (verdauungsfördernden Zubereitungen) verarbeitet; aber auch zum Würzen von Soßen, Salaten und anderen Speisen eignet sich das herbe Aroma der Engelwurz. Die Blütenstengel der Pflanze werden zum Kandieren verwendet und bilden damit eine süße Variante in der österreichischen Konditorkunst.

Engelwurz - Blätter © Ernst Frühmann

Engelwurz – Blätter © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Zubereitungen aus der Engelwurz sind heute ein anerkanntes pflanzliches Heilmittel bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl und leichten krampfartigen Magen- und Darmbeschwerden. Aber auch zur Herstellung von Kräuterlikören und Schnäpsen eignet sich die Angelikawurzel aufgrund des angenehmen Aromas ebensogut wie als aromatisierender Zusatz zu Zahnpasten und anderen kosmetischen Zubereitungen.

 

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