Eisenhut

Sturmhut

Aconitum napellus L.

Auf Wanderungen in den gebirgigen Teilen Europas stößt man bis in Höhen von über 2000 Meter auf die giftigste der alkaloidhaltigen Heil- und Giftpflanzen. Gerade dort, wo man sich als Wanderer gerne niederlässt und im Bereich der Sennhütten die verdiente Jause verzehrt, steht auf den fetten, gut gedüngten Böden zum Leidwesen der Bauern auch bevorzugt der Eisenhut (Sturmhut); er wurde von den Menschen nach dem Aussehen seiner eigentümlichen Blütenform so benannt oder auch Teufelswurz aufgrund der Giftigkeit dieser Pflanze. Auch die Patronin der Zahnkranken, die Hl. Apollonia, findet sich in der Bezeichnung Apolloniakraut oder -wurzen und weist auf die erfolgreiche Behandlung von Zahnschmerzen hin.

Eisenhut © Ernst Frühmann

Eisenhut © Ernst Frühmann

Wirkungen und Anwendung

Zur Herstellung von Tinkturen als homöopathisches Arzneimittel werden sowohl getrocknete Wurzelknollen als auch die gesamten frischen Pflanzen verarbeitet. Wegen der hohen Giftwirkung muss man bei Verwendung der getrockneten, gepulverten Wurzeln sogar mit Atemschutz arbeiten.

Wegen der Giftwirkung dieser Pflanze ist eine Selbstmedikation mit Extrakten zur innerlichen Einnahme, aber auch die Verwendung von Salbenpräparaten ausnahmslos abzulehnen. Das gleiche gilt noch deutlicher für die Anwendung von frischen oder getrockneten Pflanzenteilen. Die einzige Ausnahme bildet hier das potenzierte homöopathische Arzneimittel.

Aconitin wirkt auf die sensiblen und motorischen Nervenendigungen sowie auf das Zentralnervensystem zunächst erregend, dann lähmend. Im Vordergrund stehen die schmerzlindernde Wirkung der Aconitum-Alkaloide und damit ihre Anwendung bei neuralgischen Schmerzen, Gicht und Ischiasbeschwerden.

Aber auch die hervorragende Wirkung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten und beginnenden fieberhaften Infekten hat Aconitum napellus als Homöopathikum zum Mittel der “ersten Stunden” gemacht. Die entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkungskomponente der Eisenhutalkaloide kommt hier zum Tragen.

Die Wirkung auf das Herz ist auch dafür mitentscheidend, dass bei Überdosierungen der Tod durch Herzstillstand eintritt.

Bei einer lokalen Anwendung über die Haut oder die Schleimhaut des Menschen lösen Aconitin und ähnliche Verbindungen eine Erregung aus, die durch Kribbeln und Brennen spürbar wird, und mit Gefühlslosigkeit endet.

Unerwünschte Wirkungen und Giftwirkungen

Schon kurz – einige Minuten – nach der Aufnahme einer zu hohen Dosis von Aconitumextrakten über den Mund oder die Haut bzw. Schleimhaut kommt es zu den ersten Reaktionen:

• Es beginnt mit Brennen und Kribbeln, Taubheitsgefühl bzw. pelzigem Gefühl im Mund bzw. an den Fingern und Zehen

• Ausbreitung dieses Gefühls über den ganzen Körper mit Übergang zu einer Empfindungslosigkeit der Haut

• Es kommt zu Schweißausbrüchen und gleichzeitigem Absinken der Körpertemperatur. Bereits 0,05 Milligramm Aconitin lösen bei der Einnahme Schweißausbrüche aus.

• Durchfall, heftiges Erbrechen und Harnlassen folgen

• Die Atmung wird langsamer, schwächer und unregelmäßiger

• Herzrhythmusstörungen treten auf, der Blutdruck sinkt, der Puls wird langsamer und schwächer

• Sehstörungen und Ohrensausen folgen

• Unter Absinken der Körpertemperatur tritt nach rund sechs Stunden bei vollem Bewusstsein der Tod durch Herzversagen und Atemlähmung ein.

Vergiftungsfälle sind in der Literatur beschrieben, z.B. durch versehentliche Beimengung von Eisenhutwurzelknollen zu Meisterwurzel. Die tödliche Menge in dieser Mischung betrug vermutlich 0,3 Gramm Wurzel; das entspricht einem Wert von ca. 1,5 Milligramm Aconitin. 3 Milligramm Aconitin sind bereits für ein Pferd tödlich.

Bei einer überstandenen Aconitinvergiftung treten keine Spätfolgen auf.

Auf Grund der dramatischen Entwicklung der Vergiftungserscheinungen ist sofort ein Arzt zu holen bzw. ein Krankenhaus aufzusuchen.

Erste Maßnahmen bei einer Akutvergiftung sind: wenn noch kein Spontanerbrechen eingetreten ist, einen Eßlöffel Glaubersalz in einem Glas Wasser gelöst trinken und erbrechen lassen, aber keine Emetika geben, das sind Mittel, die das Erbrechen auslösen. Nach dem Erbrechen je ein bis zwei Eßlöffel Aktivkohle und Glaubersalz in einem 1/4 bis 1/2 Liter Wasser zu trinken geben. Den Patienten warm halten! Künstliche Beatmung bei Atemnot oder Atemlähmung.

Eisenhut © Ernst Frühmann

Eisenhut © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Der Eisenhut zählt zu den giftigsten Pflanzen und ist daher für die Selbstmedikation ungeeignet. Schon 1,5 Milligramm Aconitin, die in 0,3 Gramm der Wurzelknollen enthalten sind, können für den Menschen tödlich sein. Die einzige Ausnahme für die therapeutische Anwendung bilden potenzierte homöopathische Arzneimittel, in denen Aconitum napellus (meist als D30 oder C30) ein unverzichtbarer Bestandteil in der homöopathischen Erstbehandlung der Erkältungskrankheiten geworden ist.

 

Heilpflanzen Artikel!

Lehrgang für PKAs

Heilkräuter Coach

Unser Buch