Lein oder Flachs

Linum usitatissimum

Der Lein gehört zu unseren ältesten und sicher interessantesten Kulturpflanzen. Als Flachs diente er schon in der Steinzeit zur Herstellung von Materialien für den täglichen Gebrauch. Seine Verwendung als Genuss- und Heilmittel reicht nicht so weit zurück.

Die Namensgebung „linum“ im Lateinischen geht vermutlich auf das gleichbedeutende „linon“ im Griechischen zurück. Ob die deutsche Bezeichnung Lein nun von dem lateinischen „linum“ oder dem althochdeutschen „Lin“ abstammt, ist nicht festzustellen. Das Wort „usitatissimum“ bezeichnet den Lein als den „gebräuchlichsten“.

Der Leinsamen, der bei verschiedenen Beschwerden zur Anwendung kommt, sollte voll ausgereift geerntet werden, damit die optimale Wirksamkeit der Schleimstoffe erreicht wird. Wenn daraus das Leinöl gewonnen wird, kann die Kaltpressung bereits auch bei nicht vollständig ausgereiften Samen durchgeführt werden.

Lein oder Flachs © Ernst Frühmann

Lein oder Flachs © Ernst Frühmann

Medizinische Anwendung

Der Leinsamen – in gequetschter oder geschroteter Form – gilt als gutes, mildes Abführmittel, das mit reichlich Wasser eingenommen werden muss, damit die Schleimstoffe und der Rohfaseranteil optimal genützt werden. Er wirkt über eine Volumenzunahme des Darminhalts und führt zu einem stärkeren Dehnungsreiz und zu einer verbesserten Darmperistaltik; damit wird die Darmpassage beschleunigt. Diese Unterstützung ist sinnvoll bei chronischer Darmträgheit und in Situationen, in denen weicherer Stuhl die leichtere Darmentleerung begünstigt; z.B. bei Hämorrhoiden, Analfissuren, nach operativen Eingriffen und in der Schwangerschaft.

Leinsamenzubereitungen zeigen eine gute Wirksamkeit bei funktionellen Oberbauchbeschwerden wie bei: Reizmagen, nervösem Magen, chronischer Gastritis, Entzündungen im Mund und Rachen, Reizhusten.

Äußerlich können Leinsamenpulver oder die Pressrückstände aus der Ölpressung in erwärmter Form bei Furunkeln, Geschwüren und anderen Hautproblemen zur Erweichung der Verdickungen oder zur Beruhigung der Haut aufgelegt werden.

Leinöl kommt in der Volksheilkunde immer wieder erfolgreich bei schrundigen Hautstellen, trockenen Hautausschlägen, Psoriasis, bei Gürtelrose und auch bei Warzen zur Anwendung.

Wechselwirkungen 

Wenn mit dem Leinsamen gleichzeitig andere Medikamente eingenommen werden, kann die Resorption dieser Arzneimittel verzögert werden. Es sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens einer halben Stunde eingehalten werden.

Quellmittel und Arzneimittel, die die Darmbewegung hemmen, dürfen nicht gleichzeitig eingenommen werden! Es besteht die Gefahr eines Darmverschlusses.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Reichliche Flüssigkeitszufuhr verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die Einnahme von Leinsamen zu Blähungen führen könnte.

Bei Übergewicht sollte wegen des hohen Anteils an Öl und des damit verbundenen hohen Nährwertes nur Leinsamen im Ganzen genommen werden.

Es wird immer wieder beschrieben, dass Blausäure aus den cyanogenen Glykosiden abgespalten wird. Dies spielt in der Praxis keine Rolle, da im sauren Magenmilieu die spaltenden Enzyme praktisch inaktiviert werden. Der kleine Rest wird durch einen Entgiftungsmechanismus rasch unschädlich gemacht. Dies hat man bei einer Einnahme bis zu 300 Gramm täglich nachgewiesen.

Bei drohendem oder bestehendem Darmverschluss sowie bei krankhaften Verengungen in der Speiseröhre oder im Magen-Darm Trakt ist von der Einnahme von Leinsamen Abstand zu nehmen.

Achtung auch bei bettlägerigen Menschen; bei der Einnahme immer genügend Wasser trinken, bis der Leinsamen im Magen ist und nicht mehr in der Speiseröhre quellen kann!

Lein oder Flachs © Ernst Frühmann

Lein oder Flachs © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Der Lein ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt; er wird heute auf allen Kontinenten kultiviert. Die Samen werden reif geerntet, können in einer Kaltpressung zu Leinöl verarbeitet werden oder in gequetschter, geschroteter oder gemahlener Form als Heilmittel genutzt werden. Wegen seiner Quellungsfähigkeit wird der Leinsamen oft als mildes Abführmittel eingesetzt, kommt aber auch zur Beruhigung von Entzündungen und Schmerzzuständen zur Anwendung. In der Volksmedizin hat sich auch das Leinöl bewährt.

 

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