Birke

Betula pendula Roth. und Betula pubescens Ehrh.

Zwei Arten aus der Familie der Birkengewächse – die Weiß- oder Hängebirke und die Moorbirke – zählen zu den anerkannten Heilpflanzen; die Birken sind uns aus der Natur bestens bekannt, erfreuen sie uns doch im Frühjahr mit dem zarten Grün, während sie bei günstigen Wetterbedingungen im Spätherbst oft mit goldgelbem Laub im ersten Schnee stehen.

Die Menschen der nördlichen Regionen Europas hatten zu den Birken eine besonders enge Beziehung. Die Germanen und Kelten schätzten die Birke als heilkräftigen Baum; ihr aufsteigender Saft war Bestandteil von Schönheits– und Stärkungsmitteln. Die Druiden benutzten die Zweige der Birken zur Weihe ihrer Schüler, indem sie sie mit Birkenzweigen schlugen.

Birke © Ernst Frühmann

Birke © Ernst Frühmann

Anwendung in der Medizin

Zubereitungen aus den Blättern der Birke gelten als hervorragendes wassertreibendes Mittel. Die Inhaltsstoffe reizen die Niere nicht, sorgen aber dennoch für eine starke, vermehrte Harnbildung.

Als Arzneimittel eignen sich Teezubereitungen, die Einnahme von Extrakten aus den Blättern in Tropfen– oder Drageeform, aber auch Frischpflanzenpresssäfte.

Zur Anwendung kommen diese Arzneimittel bei Harnwegserkrankungen, aber auch zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden. Die Gabe der Birkenzubereitungen kann unterstützend gegeben werden bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege – selbstverständlich nach Abklärung der Erkrankung durch den Arzt –, aber auch zur stärkeren Durchspülung bei Nierengrieß. Bei Harnwegsinfekten ist diese Behandlung meist auf ein bis maximal zwei Wochen beschränkt; bei rheumatischen Erkrankungen werden diese Zubereitungen kurmäßig über mehrere Wochen gegeben.

Die Wirkung der Birkenblätter kann erweitert oder verstärkt werden durch eine Kombination mit Goldrute, Indischem Nierentee, Löwenzahn, Schachtelhalm, Liebstöckel, Wacholder, Hauhechel, Bruchkraut und anderen wassertreibend wirksamen Arzneipflanzen.

In der Volksmedizin werden Birkenblätter in Teemischungen gegeben, die bei Gicht und Rheuma helfen sollen; sie haben auch ihren Platz bei allen Tees, die als „Blutreinigungstees“ angeboten werden oder in Kombination mit anderen Drogen in Teezubereitungen für eine Frühjahrskur zu finden sind. Als Antidyskratikum sollen Birkenblätter die „Unordnung in den Abläufen des Stoffwechsels“ wieder ins Gleichgewicht bringen.

Bei der volksmedizinischen Anwendung der Birke versucht man auch verschiedene Hautkrankheiten zu behandeln; dafür nützt man nicht nur Blätter zur innerlichen Gabe, sondern auch Birkenteer – gewonnen durch trockene Destillation von Zweigen und Rinde – in Salben zur äußerlichen Anwendung.

Birkenwasser ist ein altes Hausmittel bei Problemen mit dem Haarwuchs oder bei Erkrankungen der Kopfhaut wie Schuppenbildung etc.

Achtung:

Bei Vorliegen von Wasseransammlungen (Ödemen), die durch eine eingeschränkte Herz– oder Nierentätigkeit bedingt sind, ist die Anwendung von Birkenblätterextrakten als „Diuretikum“ nicht angezeigt.

Birkenzucker:

In den letzten Jahren wird der – ursprünglich in Finnland aus der Birkenrinde gewonnene – Süßstoff, der den Namen Xylit oder Xylitol hat, vermehrt als Zuckerersatzstoff angeboten. Heute werden nicht nur die Fasern der Birkenrinde zur Herstellung verwendet, sondern er wird auch aus anderen Holzrinden oder faserreichen Früchten usw. gewonnen.

Sein Vorteil liegt darin, dass er sehr zuckerähnlich schmeckt, aber rund 40 % weniger Kalorien als Zucker hat, dass er nicht die negativen Auswirkungen des Zuckers auf die Zähne – Demineralisierung, Karies – besitzt, den Zuckerspiegel wesentlich weniger beeinflusst und bei Menschen mit Gewichtsproblemen Kalorien einspart und Körpergewicht reduziert.

All jene, die auf Zucker schwer verzichten können, finden eventuell mit dem Birkenzucker einen Kompromiss, der zumindest aus heutiger Sicht gesünder als Zucker ist.

Vorsicht ist hingegen bei Haustieren geboten. Bei Hunden kann die Gabe von Xylit durch vermehrte Insulinausschüttung zu bedrohlichen Situationen führen.

 

Birke © Ernst Frühmann

Birke © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

In der Kulturgeschichte der nördlichen Regionen Europas hatte die Birke ihren festen Platz. Am Beginn des 2. Jahrtausends scheint der gesicherte Nachweis als Heilmittel bei Hildegard von Bingen auf. In der modernen Medizin sind die Extrakte von Birkenblättern als wertvolles unterstützendes Arzneimittel bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege anerkannt. Der Birkenzucker ist heute eine gute Alternative zur Einsparung von herkömmlichem Zucker.

 

Heilpflanzen Artikel!

Lehrgang für PKAs

Heilkräuter Coach

Unser Buch