Artischocke

Cynara cardunculus L. ssp.flavescens Wilklund

Die lateinische Bezeichnung der Artischocke hat sich in letzter Zeit geändert, da man nun die Kulturpflanze und die wild vorkommende Art, die sogenannte Kardone, mit obigem Namen bezeichnet. Die Kulturpflanze wurde in der Vergangenheit unter dem Namen Cynara scolymus L. als eigene Art bezeichnet; diesen Namen findet man auch noch in älterer Literatur. An der Bedeutung der Artischocke als Arzneipflanze ändert sich nichts, da sich herausgestellt hat, dass es praktisch keine Unterschiede in den Inhaltstoffen gibt.

Die Artischocke ist sowohl als gesundes Gemüse als auch als Heilpflanze bekannt und bedeutend; deshalb war sie im Jahr 2003 sogar „Arzneipflanze des Jahres“.

Artischocke © Ernst Frühmann

Artischocke © Ernst Frühmann

Anwendung in der Medizin

Artischockenblätter und deren Extrakte werden bei funktionellen Verdauungsbeschwerden, die durch unzureichende Gallensekretion hervorgerufen wird, verwendet. Diese dyspeptischen Beschwerden äußern sich mit Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsschwäche. Mit Artischockenextrakten kann eine Normalisierung einer gestörten Leber- Gallesekretion erreicht werden. Es hat sich gezeigt, dass Extrakte unterschiedlich hohe Konzentrationen von Wirkstoffen haben, wenn diese aus frischen Pflanzen oder getrockneten Blättern stammen.

Aber auch eine positive Beeinflussung des Lipidstoffwechsels durch eine Senkung der Gesamtcholesterin- und der Triglyceridwerte wurde nachgewiesen, wobei es zu einer Senkung der LDL Werte und zu einem Anstieg der HDL Werte kommt.

In Versuchen und Studien konnte auch nachgewiesen werden, dass ein wässriger Extrakt aus den Artischockenblättern die Leberzellen schützt und entgiftet.

Dieser wässrige Extrakt kann auch zur Verminderung von oxidativem Stress eingesetzt werden, wie neuere Arbeiten zeigen.

Verwendung als Tee, Frischpflanzensaft oder Extrakt

1 Teelöffel der fein geschnittenen Droge wird mit siedendem Wasser übergossen und man lässt 10 Minuten ziehen; nach dem Abseihen trinkt man vor den Mahlzeiten eine Tasse Tee.

Die Blätter können als Einzeldroge, aber auch in Mischungen verwendet werden. So sind die Artischockenblätter Bestandteil von Galle – Leber – Tees oder von Teemischungen, die zur Unterstützung einer Schlankheits- oder Entschlackungskur getrunken werden.

Für die letztgenannte Verwendung werden auch oft Frischpflanzensäfte genommen.

Der oben genannte wässrige Extrakt kommt in Fertigarzneimitteln zur Anwendung. In verschiedenen Arzneiformen von Tropfen bis zu Kapseln wird der Extrakt allein oder in Kombination mit anderen Pflanzenextrakten mit unterschiedlichem Wirkstoffgehalt verarbeitet.

Als Indikation steht – je nach Wirkstoffgehalt (300 – 600 mg) – die gallensekretionsfördernde oder die lipidsenkende Wirkung im Vordergrund. 

Digestif und Gemüse

Eine „halbtherapeutische“ Anwendung ist das italienische Digestivum „Cynar“, ein bitterer Artischockenlikör, der in Italien als Abschluss eines reichhaltigen Essens beliebt ist.

Auch die Verwendung in der Küche soll hier Erwähnung finden, ist die Artischocke doch ein außerordentlich gesundes Gemüse, das sich auch bei uns immer größerer Beliebtheit erfreut – und das nicht nur in Öl eingelegt und auf einer Pizza verteilt – den Gaumen verwöhnt.

Man kocht die geschlossenen Blütenköpfe in Wasser weich, zupft die Blätter von außen ab und lutscht sie – eingetaucht in eine schmackhafte Soße – aus, bis man zum Blütenboden vorgedrungen ist, der als das Beste gilt, was die Artischocke zu bieten hat.

Artischocke © Ernst Frühmann

Artischocke © Ernst Frühmann

Zusammenfassung

Die Artischocke ist seit vielen Jahrhunderten bekannt, sowohl als besonderes Gemüse und in jüngerer Zeit auch als Arzneipflanze. Die moderne Forschung hat bewiesen, dass die Wirkung der Artischockenblätter und deren wässriger Extrakt von großem therapeutischem Wert sind.

Bitterstoffe, Flavonoide und Coffeoylchinasäuren wirken auf den gesamten Verdauungstrakt mit besonderer Wirkung auf das Leber-Galle-System. Dadurch werden dyspeptische Beschwerden günstig beeinflusst, aber auch Lipidwerte gesenkt, oxidativer Stress gemindert und die Leber geschützt und entgiftet.

 

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